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Zur Deeskalation bei Brustkrebs

Moderne Diagnostik kann helfen, die Aggressivität eines Tumors einzuschätzen. Eine gute Nachricht für Brustkrebspatientinnen, denn damit wird auch das Urteil über die Notwendigkeit einer Chemotherapie auf eine verlässlichere Basis gestellt. Dr. Sabine Schmatloch, Chefärztin des Brustzentrums am Elisabeth-Krankenhaus Kassel, erklärt, bei welchen Patientinnen eine Deeskalationsstrategie sinnvoll ist.

Frau Dr. Schmatloch, weshalb wird die Entscheidung für eine Chemotherapie heute anders getroffen als früher?

Weil wir eine Diagnostik zur Verfügung haben, die individuelle Unterschiede erkennbar macht. Wir können inzwischen aus dem Genom des individuellen Tumors lesen, ob die Chemotherapie bei Brustkrebs zum Heilerfolg beiträgt oder nicht. Ohne dieses Wissen erhielten früher die Patientinnen oftmals eine Chemotherapie, obwohl sie nur einen geringen Nutzen davon hatten. In vielen Fällen reicht zum Beispiel eine antihormonelle Therapie aus.  

Dr. Sabine Schmatloch

Chefärztin des Brustzentrums am Elisabeth-Krankenhaus Kassel
(Foto: Elisabeth-Krankenhaus Kassel)

Wie müssen wir diese neue Diagnostik verstehen?

Der Tumor jeder einzelnen Patientin reagiert anders auf die Chemotherapie, manche gar nicht. Das wussten wir schon seit Längerem. Erst seitdem wir das Risiko eines Tumorrezidivs verlässlich einschätzen können, können wir auch sagen, ob wir die Chemotherapie guten Gewissens weglassen können. Seit 2020 wird in Deutschland der Oncotype DX Breast Recurrence Score® Test erstattet. Mit ihm können wir nun dieses individuelle Rückfallrisiko mit hoher Sicherheit bestimmen. Zusätzlich können wir mit diesem Test genauer vorhersagen, wann eine Patientin von einer Chemotherapie profitiert. 


Können alle Brustkrebspatientinnen von dieser Diagnostik profitieren?

Sehr viele. Wir wissen, dass 85 Prozent der Frauen mit einem hormonrezeptorpositiven und HER2neu-negativen Mammakarzinom nicht von einer Chemotherapie profitieren.1 Das trifft in Deutschland jährlich deutlich mehr als 15.000 Patientinnen. Viele Patientinnen sagen mir, dass sie die Ungewissheit über den Verlauf der Erkrankung und den Nutzen der therapeutischen Maßnahmen am meisten quält. Der Oncotype DX Breast Recurrence Score® Test macht die Therapieentscheidung sehr viel sicherer. Deswegen sollten auch die Patientinnen die modernen diagnostischen Möglichkeiten kennen und sie gegebenenfalls mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin besprechen.

1) Quelle: Sparano et al; NEJM 2018.
Oncotype DX und Recurrence Score sind eingetragene Warenzeichen von Genomic Health, Inc. Exact Sciences ist ein eingetragenes Warenzeichen der Exact Sciences Corporation. © 2021 Genomic Health, Inc. Alle Rechte vorbehalten

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Krankheitsbilder

Doch in dem Organ können auch Primärtumoren wie das hepatozelluläre Karzinom entstehen. 

Dank innovativer Behandlungsmethoden, wie sie beispielsweise am Tumorzentrum Heilbronn-Franken der SLK-Kliniken Heilbronn angeboten werden, hat sich für die Betroffenen einer ursprünglich schlechten Prognose inzwischen dramatisch verbessert.

Entscheidend für den Erfolg ist dabei die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Onkologen, Chirurgen, Strahlentherapeuten und interventionellen Radiologen, um jedem Patienten, die für ihn maßgeschneiderte Therapie anbieten zu können. „Deshalb werden alle Krebspatienten in Tumorkonferenzen fachübergreifend besprochen und die Behandlung gemeinsam festgelegt“, erklärt Professor Dr. Uwe Martens, geschäftsführender Vorstand des Tumorzentrums Heilbronn-Franken. 

Neben der chirurgischen Resektion und der Chemotherapie spielen vor allem interventionelle radiologische Verfahren eine zunehmend wichtigere Rolle. Bei der minimal-invasiven Tumorablation wird der Tumor unter 3D-Bildkontrolle punktiert und das maligne Gewebe, je nach Verfahren, durch Hitze, elektromagnetische Radiowellen oder Embolisation mit medikamentenbeladenen Mikropartikeln zerstört. Dabei wird grundsätzlich zwischen perkutanen und intraarteriellen Verfahren unterschieden. 

Bei der perkutanen Vorgehensweise sticht der Radiologe mit hauchdünnen Sonden durch die Haut des Patienten, um zum Tumor vorzudringen. Dort wird ein hochfrequenter Strom im Radiofrequenzbereich abgegeben, der den Tumor mit Temperaturen bis zu 100 Grad Celsius verkocht. Die Radiofrequenz-Ablation (RFA) oder die moderne Mikrowellen-Ablationstechnik kann mit der Chirurgie und/oder einer Chemotherapie erfolgreich kombiniert werden.

Bei der Behandlung des frühen hepatozellulären Karzinoms ist die Thermoablation der chirurgischen Resektion sogar ebenbürtig. „Einen großen Teil der Krebspatienten können wir auf diese Weise heilen“, erklärt Professor Dr. Philippe Pereira vom Tumorzentrum Heilbronn-Franken, der auf dem Gebiet der interventionellen Radiologie zu den weltweit führenden Experten zählt. 

Zu den intraarteriellen Verfahren gehören die transarterielle Chemoembolisation (TACE) und die selektive interne Radiotherapie (SIRT). Bei der TACE werden über einen in die Leistenarterie eingeführten Katheter Zytostatika enthaltende Partikel in die unmittelbare Umgebung des Tumors appliziert. Bei der SIRT wiederum werden radioaktiv strahlende Substanzen in den Tumor beziehungsweise die Metastasen verabreicht.

Beide Verfahren eignen sich vor allem für jene Patienten, bei denen aufgrund eines fortgeschrittenen Tumorstadiums eine chirurgische oder thermoablative Therapie nicht mehr möglich ist. In der sinnvollen Kombination interventioneller und systemischer Therapieansätze sehen die beiden Experten aktuell die besten Möglichkeiten zur Verbesserung der Heilungschancen.

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