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    Leben und Bloggen mit metastasiertem Brustkrebs

    Foto: shutterstock_1011719902

    Claudia Altmann-Pospischek ist Patientenvertreterin, Brustkrebsaktivistin und Bloggerin und macht sich für das Thema „metastasierter Brustkrebs“ stark.

    Claudia Altmann-Pospischek

    Brustkrebs-Betroffene

    Foto: Marina Probst Eiffe

    Es tut gut, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und voneinander zu lernen. Deshalb erachte ich die Patientenvernetzung als immens wertvoll.

    Wie schwierig war Ihr bisheriger Weg von der Diagnose „metastasierter Brustkrebs“ bis heute?

    Die Diagnose kam 2013 aus dem Nichts und hat mir sprichwörtlich den Boden unter den Füßen weggezogen. Mein winziges Mammakarzinom hatte bereits in die Leber und in die Knochen gestreut. Das alles ohne genetische Vorbelastung und trotz regelmäßiger Vorsorgeuntersuchungen. Eine Katastrophe – verbunden mit Angst, Trauer und Ungewissheit. Es folgte ein kräftezehrender Therapiemarathon, der bis heute andauert. 2018 wurden zudem Bauchfell-Metastasen diagnostiziert.

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    Wie es weitergeht? Die Zukunft wird es zeigen. Ich bin unter Dauertherapie – sämtliche Nebenwirkungen inklusive – bis zum allerletzten Tag. Ich will nur eines: leben und Spuren hinterlassen – mit meinem Engagement und meinem Blog „Claudias Cancer Challenge“.

    Was ist Ihnen durch den Kopf gegangen als Sie von den Ärtz:innen die Diagnose inklusive Lebenserwartung mitgeteilt bekamen?

    Ich bin damals mit einem Mini-Knötchen zuversichtlich ins Krankenhaus und kam mit der Diagnose „unheilbarer Brustkrebs“ wieder nach Hause. Das in kürzester Zeit – da kommt der Kopf einfach nicht mit – diese Nachricht braucht Zeit, um sich zu setzen. Damals hörte ich auch die niederschmetternde Prognose: „Sie haben eine Durchschnittsüberlebenszeit von zwei Jahren“. Doch diese sollte nicht eintreffen. Ich darf heute – zehn Jahre danach – noch immer da sein.

    Was können Sie Betroffenen und Angehörigen mit auf ihren Weg geben? Wohin können sie sich wenden?

    Betroffenen möchte ich mitgeben, alles daran zu setzen, mündige PatientInnen zu sein, sich über entsprechende Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. Aktive Entscheidungen zu treffen, gibt einem das gute Gefühl, Kapitänin des eigenen Bootes zu sein. Zudem würde ich zu einer professionellen psychoonkologischen Unterstützung raten – auch für Angehörige. Ängste und Sorgen sind Gefühle, die einfach Raum brauchen. Und: Es tut so gut, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und voneinander zu lernen. Deshalb erachte ich die Vernetzung von PatientInnen auf Online-Plattformen und in Selbsthilfegruppen als immens wertvoll.

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    Die Diagnose Krebs bedeutet auch, mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert zu sein. Wie gehen Sie mit dem Thema um? Nehmen Sie das Leben intensiver wahr?

    Mir war sehr schnell klar, dass die Zeit, die ich noch auf dieser Erde verbringen darf, eher kürzer denn länger bemessen sein wird. Somit war der Gedanke „Mach doch das Beste aus dieser verbleibenden Zeit“ bald in meinem Kopf. Und das mache ich nun – zum Beispiel mit meinem Brustkrebsengagement, wofür mein Herz brennt. Aber natürlich sehe ich das Damoklesschwert über mir baumeln – mal mehr und mal weniger. An manchen Tagen überfällt mich die Angst vor dem Tod und nimmt mir die Luft zum Atmen. An manchen Tagen fühle ich mich glücklich, frei und unbeschwert. Das Leben ist nun härter, schwieriger und kürzer geworden, aber auch intensiver, bunter und genussvoller.

    Wie feiern Sie selbst am liebsten das Leben?

    Ich sehe mich generell als „Queen of Ablenkung“ – ich kann vieles gut ausblenden und halte das auch für einen probaten Umgang. So sind mir Reisen (vor allem in mein geliebtes England) sehr wichtig – denn da steigt der Krebs nicht in den Flieger mit ein und egal, wo ich lande, werde ich von Lebensfreude und Leichtigkeit begleitet. Treffen mit Herzensmenschen sind eine enorme Kraftquelle. Und auch meine Konzertleidenschaft lässt mich das Leben auf musikalische Weise feiern.

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