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Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren!

Foto: 23 estudio via Shutterstock.com

Laut Robert-Koch-Institut erkrankt in Deutschland mehr als jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens an Krebs. Die häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen sind Brustkrebs, Darm- und Lungenkrebs*. Blutkrebserkrankungen wie das Multiple Myelom (MM) sind seltener und dadurch unbekannter. Hier hat sich aber in den letzten Jahren viel getan: Die eher ungünstigen Überlebenschancen haben sich durch neue, zielgerichtete Therapien erheblich verbessert. Viele Patient*innen können mit der Diagnose MM über viele Jahre hinweg ein weitgehend normales Leben führen. Eine dieser Patientinnen ist Brigitte Reimann, die im Interview von ihren Erfahrungen berichtet und Krebspatient*innen damit Mut macht.  

Brigitte Reimann

 Foto: Privat 

Frau Reimann, wie lange leben Sie schon mit dem Multiplen Myelom?

Im November 2002 erhielt ich die niederschmetternde Diagnose mit dem Satz: „Gehen Sie nach Hause und sprechen Sie mit Ihrer Familie – die Krankheit ist nicht heilbar.
Ihre Lebenserwartung beträgt ohne Therapie zwei Jahre, mit Therapie vier bis fünf Jahre.“ Danach folgten einige schlaflose Nächte mit quälenden Gedanken, wie ich mit dieser kurzen Lebenserwartung umgehen soll. Am 27. November 2022 werde ich mit Familie und Freunden in Dankbarkeit den 20. Jahrestag meiner Diagnose feiern! 

Wie ging es Ihnen nach dieser lebensverändernden Diagnose?

Ich musste schon oft in meinem Leben gesundheitliche Entscheidungen treffen, die ich immer gut lösen konnte, wenn ich mit mir und meinem Körper im Einklang war. Aber die Diagnose und die Art und Weise des Radiologen, mir meine kurze Lebenserwartung mitzuteilen, haben mich völlig aus der Bahn geworfen. Ich war wie gelähmt, innerlich leer und hoffnungslos. Nach der Überweisung in eine Universitätsklinik und einem einfühlsamen Beratungsgespräch mit einer Myelom-Ärztin kam mein Kampfgeist langsam wieder zurück. Ich habe mich spontan entschieden, an einer Studie mit einer Hochdosis-Chemotherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation teilzunehmen. Ich machte mir keine Gedanken darüber, ob die Chemo gefährlich oder giftig ist. Ich habe mich für das Leben entschieden und war bereit, für mein Leben zu kämpfen. Mir war klar, dass ich den Kampf auch verlieren konnte. Aber: Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren!

Was hat Ihnen geholfen, mit der Diagnose umzugehen? 

Mir hat es geholfen, nicht die Krankheit zu leben, sondern zu lernen, mit der Krankheit zu leben. Ich warte nicht nach erfolgreicher Therapie zu Hause auf ein Wiederauftreten des Multiplen Myeloms (sog. Rezidiv). Das wäre verlorene Lebenszeit. Außerdem hat mich immer beruhigt, dass an neuen Substanzen geforscht wird. 

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihre Diagnose reagiert? 

Damals konnten viele in meinem Umfeld nichts mit meiner Krankheit anfangen. Die Reaktionen waren oft Wegschauen, Wechseln der Straßenseite oder nur die nichtssagende Frage „Wie geht’s?“. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass viele Menschen nicht über Krebs sprechen können und Sorge haben, etwas Falsches zu sagen. Bei der Bewältigung geholfen haben mir meine Familie und gute Freunde. Aber auch der vertrauensvolle Austausch mit anderen Betroffenen in der Selbsthilfegruppe. Dies rate ich auch anderen Betroffenen. Am Anfang ist es wichtig, sich in einem geschützten Raum auszutauschen.

Hat die Corona-Pandemie Ihr Leben als Krebspatientin beeinflusst?

Das Leben war durch Lockdown, Homeoffice und Kontaktsperren sehr belastend – gerade für Krebspatientinnen und -patienten. Auch die Verlaufskontrollen ohne Begleitung waren schwierig. Nach zweieinhalb Jahren wird es langsam etwas besser. Ich freue mich darauf, endlich wieder ein Leben zu haben, Freunde und Gruppen zu treffen, Geburtstage nachzufeiern sowie Patiententage, Seminare und Kongresse zu besuchen.

Was wünschen Sie sich für Patientinnen und Patienten mit Multiplem Myelom für die Zukunft? 

Dass Myelom-Patientinnen und -Patienten in absehbarer Zukunft auf eine Heilung hoffen können oder eine Substanz erforscht wird, die es ermöglicht, mit Multiplem Myelom als chronischer Erkrankung ein langes Leben zu führen.

Die Broschüre „Das Multiple Myelom – Hand in Hand mit der Angst“ gibt Ihnen Anregungen zur Angstbewältigung nach der Diagnose einer Krebserkrankung.


* Krebs in Deutschland für 2017/2018. Zentrum für Krebsregisterdaten. Hrsg: Robert-Koch-Institut.
Dieser Beitrag entstand mit freundlicher Unterstützung von GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG. 
NP-DE-MMU-ADVR-220001; 06/2022

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Der Kampf gegen Krebs- Prävention und Therapie

Krebs ist die Krankheit, vor der sich die deutsche Bevölkerung mit am meisten fürchtet.

Rund eine halbe Million Menschen erkranken hierzulande jährlich neu an einem Tumor, Tendenz steigend. Hoffnung besteht aufgrund von Fortschritten in der Forschung und Medizin, die die Heilungschancen von Krebspatienten weiter erhöhen. Experten gehen zudem davon aus, dass durch einen gesunden Lebensstil etwa die Hälfte aller Krebsfälle vermieden werden kann.

Als den „König aller Krankheiten“ betitele der indische Krebsforscher Siddhartha Mukherjee Krebs in seinem berühmt gewordenen gleichnamigem Buch. In der Tat nimmt Krebs eine Schlüsselstellung unter den Krankheiten ein: Jährlich werden in Deutschland rund 500.000 neue Krebsfälle diagnostiziert. Krebs ist hierzulande die zweithäufigste Todesursache und zudem die Krankheit, die bei den Deutschen neben Demenz die größten Ängste auslöst.

Die Ursachen, warum ein Mensch an Krebs erkrankt, sind komplex. Für viele Tumore sind zufällige genetische Fehler bei der Zellteilung verantwortlich, die mit steigendem Alter zunehmen. Aufgrund des demographischen Wandels wächst in Deutschland der Anteil älterer Menschen stetig. Das Robert Koch-Institut rechnet daher im Zeitraum zwischen 2010 und 2030 mit einem Anstieg der Krebsneuerkrankungen um 20 Prozent.

Dennoch kann jeder sein persönliches Krebsrisiko durch einige einfache Maßnahmen bis zu einem gewissen Grad positiv beeinflussen. Dies gilt insbesondere für häufige Krebsarten wie Brust-, Darm-, Lungen- und Hautkrebs. Ausreichend Bewegung und ein normales Körpergewicht reduzieren das Krebsrisiko nachweislich. Gleiches gilt für Nichtrauchen sowie einen vernünftigen Umgang mit Alkohol und UV-Strahlung.

Unterstützt wird die Deutsche Krebshilfe aktuell bei ihrer Aufklärung zur Hautkrebsprävention durch die TV-Moderatorin und Journalistin Susanne Klehn. Diese erkrankte mit 28 Jahren an einem malignen Melanom, dem sogenannten schwarzen Hautkrebs. Seit April setzt sie sich an der Seite der Deutschen Krebshilfe für ein umsichtiges Verhalten in der Sonne ein.

Wir wissen, dass der Bedarf nach Information und Aufklärung zum Thema Krebs in der Bevölkerung nach wie vor immens hoch ist. Daher sind Kampagnen sinnvoll, die über den Nutzen eines gesunden Lebensstils und die Möglichkeiten der Krebsfrüherkennung aufklären.

Steigende Krebsneuerkrankungszahlen in einer alternden Gesellschaft dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den letzten Jahrzehnten auch erhebliche Erfolge in der Diagnose und Therapie erreicht wurden. Fortschritte in der Krebsforschung und -medizin sind die Grundlage dafür, dass Krebspatienten immer besser versorgt werden können. Die Heilungsraten steigen und Krebs verläuft heute in sehr vielen Fällen als chronische Erkrankung mit guter Lebensqualität für die Betroffenen.

Heute können vier von fünf krebskranken Kindern und die Hälfte aller erwachsenen Krebspatienten geheilt werden und wieder ein unbeschwertes Leben führen. Dennoch bleiben die Herausforderungen immens. So gilt es beispielsweise die Qualität in der Versorgung und die Strukturen weiter zu verbessern und jedem Patienten eine optimale und personalisierte Therapie zu ermöglichen.

Wir wollen, dass alle krebskranken Menschen gute Heilungschancen haben. Auf dieses Ziel ist unsere Arbeit stetig ausgerichtet. Ohne die Zuwendungen der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, die seit über 40 Jahren die Deutsche Krebshilfe unterstützen, wären viele der bisherigen Erfolge in der Krebsmedizin und Forschung nicht möglich gewesen. Nur unsere Spender haben uns in die Lage versetzt, über 3.000 Projekte zur Verbesserung der Versorgung krebskranker Menschen zu fördern.

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