Home » Krankheitsbilder » Opioide lindern Schmerzen – doch was, wenn es zu einer Verstopfung kommt?
Krankheitsbilder

Opioide lindern Schmerzen – doch was, wenn es zu einer Verstopfung kommt?

Foto: Vectorium via Shutterstock.com

3,7 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter so starken Schmerzen, dass sie auf eine Schmerztherapie mit Opioiden angewiesen sind.1 Opioide gelten als sehr effizientes Schmerzmittel, das bei vielen Patienten die Beschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern kann. 

Aber wie wirken Opioide?

Normalerweise blockieren körpereigene Schmerzdämpfer, sogenannte Endorphine (vom Körper selbst produzierte Opioide), die Weiterleitung des Schmerzes zum Gehirn. Wenn Schmerzen über lange Zeit bestehen und chronisch werden, reicht die körpereigene Schmerzdämpfung jedoch nicht mehr aus, und es bedarf einer wirksamen medikamentösen Schmerzbehandlung. Opioide blockieren genauso wie Endorphine die Schmerzweiterleitung und werden zum Beispiel bei starken (chronischen) Schmerzen des Bewegungsapparates, Nervenschmerzen, zur Schmerzlinderung nach einer Operation oder bei Tumorschmerzen eingesetzt.

Der Schmerz wird über sogenannte Rezeptoren des Nervensystems blockiert. Diese Opioidrezeptoren befinden sich neben dem zentralen Nervensystem auch im Magen-Darm-Trakt und können dort Begleiterscheinungen hervorrufen.  

Typische unerwünschte Nebenwirkungen bei Opioid-Einnahme

  • Verstopfung
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Benommenheit mit verstärkter Schläfrigkeit
  • Schwindel
  • Juckreiz
  • Mundtrockenheit
  • Kopfschmerzen

Die wichtigste unerwünschte Wirkung von Opioiden ist die Verstopfung. Sie kommt am häufigsten vor und hält während einer Opioid-Therapie regelmäßig dauerhaft an.

Wie sollten sich Betroffene verhalten?

Zunächst ist es wichtig, das Thema aktiv anzugehen. Neben einer ballaststoffreichen Ernährung, ausreichender Flüssigkeitszufuhr und körperlicher Bewegung ist es unerlässlich, das Thema beim Arzt anzusprechen. Wenn der Patient Probleme mit der Verdauung bekommt, ist es ratsam, ein Stuhltagebuch zu führen.

Dieses hilft dem Arzt festzustellen, ob der Patient unter einer Opioid-Verstopfung leidet. Darin wird notiert, an welchen Tagen Stuhlgang auftritt und ob und in welcher Form Beschwerden aufkommen, zum Beispiel starkes Pressen beim Stuhlgang, harter Stuhl, Blähungen, ein harter Bauch oder aber auch Durchfall. Der Durchfall, paradoxe Diarrhö genannt, tritt auf, obwohl man eigentlich eine Opioid-Verstopfung hat. Weil die Opioide den Darm lahmlegen, verweilt der Stuhl übermäßig lange im Darm und beginnt an manchen Stellen zu gären. Dadurch wird er flüssig und kommt als plötzlich auftretender Durchfall heraus. In einem Stuhltagebuch sollte auch notiert werden, ob und wann Abführmittel eingenommen wurden und welche es gewesen sind.

Wer fragt, der führt

Außerdem ist es hilfreich, sich auf das Arzt- Gespräch vorzubereiten. Patienten sollten sich vorab die für sie wichtigen Themen stichpunktartig aufschreiben, zum Beispiel Behandlungsmöglichkeiten oder der Leidensdruck, der für sie durch die Opioid-Verstopfung entsteht. So kann beim Arztbesuch direkt kontrolliert werden, ob alle notierten Fragen im Gespräch geklärt wurden. 

6 Fragen, die Sie Ihrem Arzt stellen könnten

1. Ich habe etwas über Opioid-Verstopfung gelesen. Kann es sein, dass ich davon betroffen bin?

2. Welche Möglichkeiten gibt es, mit so einer Opioid-Verstopfung zurechtzukommen?

3. Wie erreiche ich, dass ich wieder ein „normales“ Leben führen kann?

4. Was kann ich tun, damit ich wieder normal zur Toilette gehen kann?

5. Ich möchte nicht mehr die ganze Woche um die Toilettengänge herum planen müssen. Was empfehlen Sie mir, was mir hier Erleichterung bringen kann?

6. Durch die Opioid-Verstopfung geht es mir oft so schlecht, dass ich schon darüber nachgedacht habe, das Schmerzmittel wegzulassen. Ich weiß, dass ich es wegen meiner Schmerzen regelmäßig nehmen muss. Haben Sie hier eine bessere Lösung für mich? 


1 http://www.aerzteblatt.de/archiv/134113/Zunahme-der-Opioid-verordnungen-inDeutschland-zwischen-2000-und-2010-Eine-Studie-auf-der-Basis-von-Krankenkassendaten

Nächster Artikel