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    Telemedizin für Kunstherz-Patienten

    Jeden Tag muss Lothar Neuhaus eine kleine Tablette einnehmen, die sein Blut verdünnt. Der Wirkstoff: Phenprocoumon, besser bekannt unter dem Handelsnamen Marcumar oder Falithrom. Der 60-jährige braucht dieses Medikament dauerhaft zur Blutverdünnung, weil er ein Herzunterstützungssystem (VAD) hat, umgangssprachlich auch Kunstherz genannt.

    Die Antikoagulation, so der Fachbegriff für die Blutverdünnung, ist nicht nur für die einwandfreie Funktion des Kunstherzens von größter Bedeutung. „Sie vermeidet auch gefürchtete, lebensbedrohliche Komplikationen“, weiß Lothar Neuhaus. Denn wenn seine Blutgerinnung gestört ist, besteht für ihn die Gefahr eines Schlaganfalls, einer Pumpenthrombose oder einer Blutung.

    Welche Dosis des Phenprocoumon der Kunstherz-Patient nehmen muss, wird über den Gerinnungswert – den INR – festgelegt. Der INR-Wert muss bei Neuhaus zwischen 2,0 und 3,0 liegen. „Fällt der INR unter den Zielbereich, erhöht sich das Risiko für Thrombosen oder Embolien“, erklärt Prof. Dr. med. Babin-Ebell, der an der Klinik für Kardiochirurgie das Kunstherz-Programm betreut. „Steigt er über den Zielwert, erhöht sich die Blutungsgefahr“, so der Herzchirurg.

    Ihre individuelle Betreuung der Kunstherz-Patienten stellt eine verbesserte Versorgung der Patienten sicher.

    Um Komplikationen vorzubeugen, müssen die Gerinnungswerte engmaschig kontrolliert und die Medikamentengabe entsprechend angepasst werden. Für den Kunstherz-Patienten ist das lebenswichtig. Lothar Neuhaus wurde das VAD im Jahr 2009 an der Klinik für Kardiochirurgie implantiert. Er hat in der anschließenden Reha in der Frankenklinik auf dem RHÖN-KLINIKUM Campus gelernt, seinen INR zu messen und das Phenprocoumon zu dosieren.

    Das INR-Selbstmanagement funktioniert ähnlich wie beim Zuckerselbsttest von Diabetikern und erspart ihm den wöchentlichen Hausarztbesuch. „Dadurch bin ich viel selbstbestimmter“, sagt der 60-jährige. Seinen INR-Wert übermittelt er über Infrarotschnittstelle an die Klinik für Kardiochirurgie, die ihn im Rahmen eines Förderpool-Projektes telemedizinisch betreut.

    Hier kontrolliert die VAD-Koordinatorin Katrin Vollert täglich die eingehenden Messwerte. Liegen sie außerhalb des Zielbereichs, kontaktiert sie die Patienten umgehend. „Wir besprechen dann, was zu tun ist“, erklärt die VAD-Koordinatorin. Ihre individuelle Betreuung der Kunstherz-Patienten stellt eine verbesserte Versorgung der Patienten sicher. „Das läuft super“, lobt Lothar Neuhaus. Das telemedizinische Monitoring verringert die Komplikationen und gibt ihm zusätzliche Sicherheit im Umgang mit seiner Erkrankung. Für den Kunstherz-Patienten bedeutet das ein gutes Stück Lebensqualität.

    Neun Kunstherz-Patienten werden in dem Projekt derzeit telemedizinisch betreut. „Geplant ist die Ausweitung auf 25 Patienten“, so Prof. Dr. med. Anno Diegeler, Chefarzt der Klinik für Kardiochirurgie. Das telemetrische Antikoagulations-Monitoring steckt bundesweit noch in den Kinderschuhen. Bad Neustadt ist nur eines von drei Zentren, an denen es derzeit angeboten wird.

     


    Auf Basis eines eigens eingerichteten Förderpools werden Projekte in den Kliniken der RHÖN-KLINIKUM AG unterstützt und können so, unabhängig von externen Fördermitteln, zum Beispiel bei der Umsetzung in den klinischen Alltag unterstützt werden. Ziel ist es, die Qualität der Patientenversorgung weiter zu steigern. Die Projekte werden in einem konzerninternen Antragsverfahren durch das sogenannte „Medical Board“ der RHÖN-KLINIKUM AG ausgewählt, das sich aus profilierten Spitzenmedizinern aller Standorte zusammen setzt.

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