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Home » Krankheitsbilder » Cerebrum » „Therapeutische Apherese als komplementäre Therapie verstehen“
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Speziell bei Autoimmunerkrankungen befinden sich Bestandteile im Blut, die Schaden anrichten können. Doch es gibt ein Verfahren, das Linderung schaffen kann und „Krankheitstreiber“ aus dem Blut filtert. Dr. Moritz Fischer gibt als Humanmediziner und internationaler Marketingleiter Apherese im Unternehmen Fresenius Medical Care einen Einblick in die therapeutische Apherese.

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Dr. Moritz Fischer

Humanmediziner und internationaler Marketingleiter Apherese im Unternehmen Fresenius Medical Care

Wie genau kann man sich den Ablauf der therapeutischen Apherese vorstellen?

Analog zur Dialyse, werden Patienten an einen extrakorporalen Kreislauf angeschlossen und ihr Blut wird über spezielle Filter oder Adsorber von den „Schadstoffen gereinigt“. Das können je nach Krankheitsbild schädliche Stoffwechselprodukte, Immunkomplexe oder Auto-Antikörper sein. Wir verfolgen das therapeutische Ziel, diese Substanzen schnell und signifikant in ihrer Konzentration zu reduzieren, damit sie Ihre pathogene Wirkung nicht weiter oder nur abgeschwächt entfalten können.

Und für welchen Patienten ist dieses Verfahren geeignet?

Wir verstehen die Apherese als komplementäre Therapie, wenn das konventionelle, meist pharmakologische Therapiespektrum, ausgereizt ist und die klinische Situation es erlaubt, ein Blutreinigungsverfahren durchzuführen. Viel gute Erfahrung haben wir zum Beispiel in der Behandlung von Patienten mit genetisch erhöhten Blutfettwerten (familiärer Hypercholesterinämie) sammeln können. Hier erbringen in Einzelfällen die verfügbaren Medikamente nicht den gewünschten Behandlungserfolg und die Apherese bietet mit der starken Absenkungsrate des zum Beispiel LDL-C eine dauerhafte Perspektive, um das Risiko für vorzeitige, kardiovaskuläre Schädigungen zu reduzieren.

Kommt es dann zu einer Immunsuppression, wenn Antikörper entfernt werden? Ähnlich wie bei gewissen Medikamenten, die dieses Ziel verfolgen?

Der Charme der Immunadsorption besteht darin, dass man versucht, sehr zielgerichtet die schädlichen Antikörper aus dem Blutkreislauf zu entfernen, gerade ohne die gesamte Immunkompetenz zu kompromittieren. Dafür entwickeln die Aphereseanbieter Säulen, die sehr spezifisch die relevanten Antikörper oder Immunkomplexe binden und somit aus dem Blut entfernen. Man kann sich hier ein gut funktionierendes „Schlüssel – Schloss“ Prinzip vorstellen, das den Rest unberührt lässt.

Braucht man dann in Zukunft keine pharmazeutische Therapie mehr?

Die wird man immer brauchen. Anders als eine pharmazeutische Therapie hingegen nutzt das Aphereseverfahren eine besondere Logik, die auf ein „Reinigen“ des Blutes zurückgreift. Das schafft neue Perspektiven für die Behandlung. Der Ansatz, nur die relevante Pathogene zu entfernen, und keine Substanzen zusätzlich ins System zu bringen, stößt natürlich bei vielen Ärzten und Patienten auf zunehmenden Gefallen. Das ermutigt uns auch, die Forschung für zukünftige Anwendungsgebiete engagiert weiter zu betreiben. Wir hoffen zum Beispiel in Zukunft auch Antworten liefern zu können, welchen Nutzen die Apherese bei autoimmunologischen Erkrankungen der Haut, des Nerven- oder Herzgewebes haben wird. Auch in der Demenzforschung wird mit der Apherese ein hochaktueller Ansatz verfolgt. 

Herr Fischer, bisher ist Fresenius Medical Care hauptsächlich für Dialyseprodukte und – dienstleistungen bekannt. Ändert die Apherese nun die grundsätzliche Ausrichtung?

Nein. Dialyse ist unser Kerngeschäft. Die Apherese/Immunadsorption ist aber eine sinnvolle Erweiterung des medizinischen Angebots. Wir nutzen hier unsere Kernkompetenz in Blutreinigungsverfahren, aber wenden es unter einer anderen klinischen Zielsetzung an. Diese ist deutlich spezieller und geht weit über die Nephrologie hinaus.

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