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„Zöliakie kann in jedem Alter ausbrechen“

Zöliakie ist eine chronische, autoimmunologisch bedingte Systemerkrankung, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten beruht. (Foto: baibaz via Shutterstock)

Dass Zöliakie eine Autoimmunkrankheit ist, wissen die wenigsten. Bianca Maurer erklärt, was dahinter steckt.

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Bianca Maurer

Ernährungsmanagerin Diätetik (B. Sc.)
Pressesprecherin Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V.

Was ist Zöliakie?

Zöliakie ist eine chronische, autoimmunologisch bedingte Systemerkrankung, die auf einer lebenslangen Unverträglichkeit gegenüber dem Klebereiweiß Gluten beruht. Gluten kommt in den Getreidearten Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste vor, sowie in den alten Weizensorten Einkorn, Emmer und Kamut. Die über 800.000 Zöliakiebetroffenen in Deutschland müssen diese Getreidesorten ihr Leben lang strikt meiden, denn die glutenfreie Ernährung ist die einzige mögliche Therapie für ein beschwerdefreies Leben.

Wie entsteht eine Zöliakie?

Die Zöliakie zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Die Erkrankung ist erblich, d.h. bestimmte Gene müssen vorliegen. In Deutschland tragen 30-40 % der Bevölkerung diese Gene, jedoch nur 1 % der Deutschen ist von Zöliakie betroffen, d.h. das Vorliegen der erblichen Voraussetzungen sagt noch nicht aus, ob eine Zöliakie auftritt oder nicht. Was alles einen Einfluss hat, ist noch nicht abschließend geklärt.

Neben erblichen Faktoren scheinen nach aktuellem Wissensstand auch das Immunsystem sowie Infektionen und Umweltfaktoren die Entwicklung einer Zöliakie zu beeinflussen. Die komplexen Zusammenhänge sind noch nicht vollständig erforscht. Warum bei einigen Menschen Zöliakie auftritt und bei anderen nicht, ist bisher nicht bekannt. Die genetischen Vorrausetzungen sind zwar von Geburt an vorhanden, die Erkrankung kann aber in jedem Alter ausbrechen – auch noch bei Senioren.

Ist die Zahl der Zöliakie-Erkrankungen in den letzten Jahren gestiegen und falls ja, was sind hierfür die Ursachen?

Da die Anzahl der Zöliakiediagnosen noch nicht in einem Register erfasst wird, kann die Prävalenz der Zöliakie nur abgeschätzt werden bzw. die Ergebnisse von Studien zur Berechnung hinzugezogen werden. Diese zeigen, dass in Deutschland ca. jeder 100. Mensch betroffen ist. Der Anstieg der Zöliakiediagnosen ist auf die Einführung der serologsichen Tests, also Blutuntersuchungen auf typische Antikörper, sowie auf die weite Verbreitung von Screenings bei Familienangehörigen und assoziierten Erkrankungen zurückzuführen. Somit werden bisher nicht diagnostizierte Patienten einer schnellen und sicheren Diagnose zugeführt.

Welche Symptome können bei Zöliakie auftreten?

Es gibt zahlreiche Symptome einer Zöliakie, die auftreten können. Im Kindesalter zeigt sich die Erkrankung häufig in Form von Eisenmangel, Wesensveränderungen wie Unzufriedenheit oder Weinerlichkeit und stagnierendem Wachstum. In späteren Jahren können Osteoporose, Schlaflosigkeit, Müdigkeit, Depressionen oder gar Unfruchtbarkeit auftreten. Klassische Symptome wie Durchfall und Bauchschmerzen zeigt nur ein geringer Teil der Betroffenen. Die Symptome sind so vielfältig und unterschiedlich ausgeprägt, dass kaum zwei Krankheitsfälle identisch sind. Mediziner bezeichnen Zöliakie daher auch als „Chamäleon unter den Krankheiten“.

Welche Diagnostikverfahren liefern ein eindeutiges Ergebnis?

Bei Verdacht auf Zöliakie sollte ein Bluttest auf zöliakietypische Antikörper durchgeführt werden. Deuten die Werte auf eine Zöliakie hin, bringt eine Magenspiegelung mit Probenentnahme aus dem Dünndarm Sicherheit. Der Patient muss sich jedoch unbedingt bis zur Diagnose glutenhaltig ernähren. Eine vorsorglich glutenfreie Ernährung verfälscht das Ergebnis. Leider werden manchmal immer noch Untersuchungen wie Stuhl- oder Speicheltests durchgeführt, die aber keine zuverlässigen Ergebnisse liefern. Ebenso wenig können Schnelltests aus der Apotheke oder IgG4-Allergietests eine Zöliakie anzeigen.

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