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Luft und Lunge

Beschwerdefrei trotz schwerem Asthma: Geht das heutzutage?

Foto: lemono via Shutterstock.com

Prof. Dr. Marek Lommatzsch

Sprecher des Deutschen Lungentages und stellvertretender Klinikdirektor, Abteilung für Pneumologie im Zentrum für Innere Medizin, Universitätsmedizin Rostock

Asthma ist eine der häufigsten Atemwegs- und Lungenkrankheiten weltweit, in Deutschland leiden über fünf Millionen Menschen an dieser Erkrankung. Etwa vier Prozent dieser Patientinnen und Patienten leiden an einem schweren Asthma: Hier kommt es trotz intensiver Behandlung oft zu starken Beschwerden, wiederholten Krankenhausaufenthalten und in einigen Fällen sogar zur Berufsunfähigkeit. Zu den häufigsten Asthmasymptomen gehören Luftnot, das Gefühl der Brustenge und Husten (oft nachts), meist begleitet von einem charakteristischen Atemgeräusch („Giemen“). Typisch für die Erkrankung ist, dass die Intensität und Häufigkeit der Beschwerden sehr wechselhaft sind und von äußeren Faktoren (u.a. Wetterlagen, Reizstoffe, Stress, Allergene) stark beeinflusst wird. Die beiden häufigsten Asthmaformen sind das allergische Asthma, welches typischerweise in der Kindheit und Jugend erstmals auftritt und oft mit Allergien vergesellschaftet ist, und das nicht allergische („intrinsische“) Asthma, welches oft erst im Erwachsenenalter (relativ abrupt) auftritt und häufiger zu schweren Verläufen neigt: hierzu gehört auch das sogenannte „eosinophile Asthma“. Beiden Asthmaformen liegt eine chronische Entzündung der Atemwege ursächlich zugrunde, welche zu einer Überempfindlichkeit der Atemwege und zu immer wiederkehrenden (und potenziell lebensbedrohlichen) Verengungen der Atemwege führt. Bis weit in das 20. Jahrhundert bestand die Asthmadauertherapie aus Medikamenten, welche nur kurzfristig Beschwerden lindern konnten oder sehr nebenwirkungsreich waren. Bis heute hält sich daher die Mär, dass das immer wiederkehrende Auftreten von Symptomen bei Asthma (insbesondere bei schwerem Asthma) schicksalhaft zu akzeptieren sei und dass die einzige Alternative zur häufigen Nutzung des „Asthmasprays“ nebenwirkungsreiche Kortisontabletten seien.

Die Therapiemöglichkeiten von Asthma haben sich in den letzten 50 Jahren aber grundlegend gewandelt. Es gibt heute hochwirksame Medikamente, welche gezielt und nebenwirkungsarm (teils sogar nebenwirkungsfrei) in die zugrunde liegende Entzündung nachhaltig eingreifen, und somit das Auftreten von Symptomen verhindern können. Daher sind Symptomprävention und langfristige Beschwerdefreiheit heutzutage sogar bei schwerem Asthma ein realistisches Ziel geworden. Zu den antientzündlichen, symptompräventiven Medikamenten zählen insbesondere drei Gruppen:

  1. Die sogenannten inhalativen Steroide, welche oft gepaart mit atemwegserweiternden Substanzen inhaliert werden und zu einer effektiven Kontrolle der Asthmaerkrankung führen.
  2. Die Allergenimmuntherapie („Hyposensibilisierung“: entweder als Spritze oder Sublingualtablette), welche bei Patienten mit allergischem Asthma die zugrunde liegenden Allergien langfristig reduzieren kann.
  3. Die sogenannten Biologika (meist als Pen oder Spritze zur Selbstgabe alle zwei bis acht Wochen zu Hause), welche gezielt und hocheffektiv in die Entzündung eingreifen und insbesondere bei schwerem Asthma zu einer erheblichen Symptomreduktion (teils bis zur Beschwerdefreiheit) führen können.

Bis Ende des Jahres 2022 werden in Deutschland schon sechs verschiedene Biologika für die Behandlung von schwerem Asthma zugelassen sein. Diese Biologika können nicht nur Asthmasymptome verhindern (häufiger Satz der Betroffenen: „Ich habe ein neues Leben bekommen!“), sondern haben oft auch einen positiven Effekt auf typische Begleiterkrankungen wie z. B. eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung mit Nasenpolypen. Voraussetzung für den Einsatz dieser modernen Therapien sind jedoch das Erkennen der genauen Asthmaform des Patienten und die Auswahl einer für den Patienten maßgeschneiderten Therapie: Eine Einheitsmedizin für Asthma gibt es nicht mehr.

Fazit: Moderne Asthmatherapie kann mit nebenwirkungsarmen Medikamenten Symptome dauerhaft verhindern und ein angstfreies und normales Leben ermöglichen. Dauerhafte Beschwerdefreiheit trotz schwerem Asthma: Das ist heutzutage möglich.

Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) bietet Fortbildungsformate für Ärztinnen und Ärzte und Gesundheitsfachberufe an. Es ist aber wesentlich, dass auch Patientinnen und Patienten mit Asthma die Symptome ihrer Erkrankung erkennen und über die modernen Behandlungsmöglichkeiten informiert sind.

Der 25. Deutsche Lungentag findet online am 24. September 2022 (11-13 Uhr) statt und wird hier auch über die moderne Diagnostik und Therapie von Asthma bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen informieren. Eine Anmeldung ist kostenlos möglich unter www.lungentag.de.

Umfangreiches und kostenfreies Infomaterial finden Patient:innen und Interessierte unter www.pneumologie.de und www.atemwegsliga.de.

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