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Chronische Rhinosinusitis: Eine Volkskrankheit?

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Etwa jede:r Zehnte ist von chronischer Rhinosinusitis betroffen. Über Symptome, Diagnose und Therapiemöglichkeiten sprachen wir mit Prof. Dr. Boris Haxel, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Schwarzwald-Baar Klinikum in Villingen-Schwenningen.

Prof. Dr. med. Boris Haxel

Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie am Schwarzwald-Baar Klinikum in Villingen-Schwenningen

Herr Prof. Dr. Haxel, was ist der Unterschied zwischen einer Sinusitis und einer Rhinosinusitis?

Eine Sinusitis ist eine Entzündung der Nasennebenhöhlen. Bei einer Rhinosinusitis sind dabei nicht nur die Nasennebenhöhlen betroffen, sondern meist auch die Nasenschleimhaut. Sie macht sich durch Schmerzen der Nasennebenhöhlen, Kopfschmerzen und Druck auf den Augen- oder Kieferhöhlen bemerkbar.

Halten die Beschwerden drei Monate und länger an, spricht man von einem chronischen Verlauf. Man unterscheidet zwischen chronischer Rhinosinusitis ohne und mit Nasenpolypen. Etwa drei bis fünf Prozent der Bevölkerung sind von der schweren Form mit Polypen betroffen.

Was genau sind Nasenpolypen?

Nasenpolypen sind Schleimhaut-Aussackungen, die aus Wasser und entzündlichem Gewebe bestehen. Sie verbreiten sich meist von den Nasennebenhöhlen aus bis in den unteren Nasengang, was dann die Nasenatmung behindert. Patienten haben eine verstopfte Nase, auch das Riechen ist eingeschränkt.

Wie stark beeinträchtigen Polypen die Lebensqualität?

Das Riechvermögen von Patienten mit Polypen ist häufig im Vergleich zu Fällen ohne Polypen deutlich stärker eingeschränkt oder sogar aufgehoben. Das beeinträchtigt sehr, denn auch der Geschmackssinn leidet.

Einen Schnupfen kuriert man in der Regel zu Hause aus – wann sollte man zum Arzt?

Man kann zunächst versuchen, ob Nasenspülungen eine Verbesserung bringen. Auch abschwellendes Nasenspray kann – wenige Tage angewendet – bei akuten Beschwerden helfen. Halten die Beschwerden länger als drei oder vier Wochen an, sollte man zur weiteren Abklärung zum HNO-Arzt gehen.

Kann man einen allergischen Schnupfen von einer Rhinosinusitis unterscheiden?

Bei Allergikern wird die Symptomatik häufig durch Pollen ausgelöst. Der Pollenflug findet zu bestimmten Zeiten statt. Bei einer allergischen Rhinitis sind Peaks zu beobachten, der Verlauf einer chronischen Rhinosinusitis ist gleichförmiger. Auch fehlen hier in der Regel typische Begleitsymptome eines allergischen Schnupfens wie tränende oder juckende Augen. Weiteren Aufschluss kann eine endoskopische Untersuchung der Nasenschleimhaut geben.

Ist jede Altersgruppe von chronischer Rhinosinusitis betroffen?

Im Prinzip ja, wobei wir selten Kinder mit chronischer Rhinosinusitis sehen. Patienten sind meist zwischen 30 und 60 Jahre alt, wenn erste Symptome auftreten.

Welche Therapien sind möglich?

Basistherapie sind pflegende Spülungen der Nase, auch cortisonhaltige Nasensprays kommen bei der chronischen Form zum Einsatz. Etwas seltener sind Cortison-Tabletten das Mittel der Wahl. Polypen müssen z. T. operativ entfernt und die Öffnungen zu den Nasennebenhöhlen geweitet werden.

Basistherapie sind pflegende Spülungen der Nase.

Es ist möglich, dass die Polypen wiederkommen und die OP nach einiger Zeit wiederholt werden muss. Für Patienten, die von häufigen Rezidiven betroffen sind, gibt es neue Therapieansätze mit einer medikamentösen Antikörpertherapie, um das Riechvermögen wieder herzustellen und die Neubildung von Polypen zu verhindern bzw. Polypengewebe wieder zurückzudrängen.

Gibt es etwas, das man selbst als Betroffener tun kann?

Die beste Möglichkeit zu helfen haben HNO-Ärzte. Wir sind sehr froh, Patienten, die seit vielen Jahren von chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen betroffen sind, nicht nur Operationen, sondern auch neue medikamentöse Therapieansätze anbieten zu können. Die neue medikamentöse Therapie kann für geeignete Patienten eine Alternative zu mehrfachen Operationen sein.

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