Carsten Flörsch ist ein Mensch, der vor Lebensfreude nur so strahlt. Kaum zu glauben, dass er Ende 2024 damit rechnete, das neue Jahr nicht erleben zu dürfen, da seine Prostatakrebs- Erkrankung nicht mehr auf die Therapien ansprach. Heute ist er Dank einer innovativen nuklear-medizinischen Behandlung krebsfrei und hat noch viel vor.
Herr Flörsch, eine Krebsdiagnose stellt das Leben auf den Kopf. Was hat Ihnen dabei geholfen, mit Ihrer Prostatakrebs-Diagnose umzugehen?
Im Januar 2022 wurde bei mir ein CT gemacht, da ich seit Wochen an starken Rückenschmerzen litt und keine Behandlung so recht helfen wollte. Danach kam der Schock: Ich hatte im ganzen Körper Metastasen: Diagnose Krebs. Nach dem Termin saß ich weinend in meinem Auto und war wie gelähmt. Ich fuhr nach Hause, erzählte es meiner Frau und hatte das Gefühl, die Welt hätte aufgehört, sich zu drehen.
Da ich aber immer schon ein gut vernetzter Mensch war, der die Dinge selbst in die Hand nimmt, rief ich direkt den einen oder anderen Professor an und hatte am nächsten Tag den ersten Termin bei einem Spezialisten. Zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, wo der Krebs sitzt, und man vermutete erst Lungenkrebs. Es wurde dann noch ein PET-CT gemacht, wo festgestellt wurde, dass die Prostata betroffen ist. Plötzlich hieß es: Lunge und Prostata sind betroffen.
Aber damit gab ich mich nicht zufrieden und wandte mich per Mail an den Experten Prof. Dr. Peter Hammerer in Braunschweig, der sich sofort zurückmeldete. Das war ein Freitag, und am darauffolgenden Montag hatte ich einen Termin mit ihm. Er stellte schnell fest, dass allein der Prostatakrebs der Ursprung der Metastasen ist.
Die Medizin hat besonders im Bereich Onkologie in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Wie sehen Ihre Behandlungsoptionen derzeit aus?
Zunächst bekam ich eine Hormontherapie, da mein PSA-Wert schon bei 3.000 lag. Zur Einordnung: Als unbedenklich gelten Werte unter 4. Nach drei Wochen war der Wert auf 1.100 gesunken und ich fühlte mich besser. Im Sommer 2022 lag der Wert schon bei 45 und man sah, dass die Metastasen kleiner wurden. Aber in den kommenden zwei Jahren meldete sich immer mal wieder eine Metastase, die dann punktuell bestrahlt wurde.
Im Dezember 2023 stieg mein PSA-Wert aber wieder auf 400, ich hatte wahnsinnige Angst. Ich bekam eine leichte Chemotherapie, der PSA-Wert sank zunächst, aber stieg dann wieder an. Daraufhin wurde ich in die Nuklearmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover überwiesen, um zu prüfen, ob ich für eine sogenannte Radioligandentherapie geeignet bin. Dabei werden radioaktive Teilchen über das Blut in den Körper geschleust, die gezielt die Tumorzellen angreifen. Es wurde also wieder ein PET-CT gemacht, mit dem niederschmetternden Ergebnis, dass ich für die Therapie nicht geeignet war.
Ich war am Boden zerstört und sah schon mein Lebensende kommen. Etwas später wurde noch ein zweites CT gemacht und ich wurde glücklicherweise doch zu dieser Therapie zugelassen. Sechs Mal alle sechs Wochen bekam ich diese Therapie, der PSA sank kontinuierlich, und im Juni 2025 war ich damit fertig. Das abschließende PET-CT ergab, dass die Metastasen, die ich überall im Körper hatte, kaum mehr zu sehen waren. Mein PSA-Wert lag bei 0,7.

Diese Therapie rettete mir das Leben.
Ich habe nun wieder eine Perspektive fürs Leben und bin unsagbar glücklich! Aber natürlich werde ich engmaschig überwacht, alle vier bis sechs Wochen muss ich zur Kontrolle.
Was möchten Sie anderen Betroffenen mit auf den Weg geben, wenn es z. B. darum geht, gemeinsam mit dem Behandlungsteam Therapieentscheidungen zu treffen?
Ich bin grundsätzlich ein sehr lebensfroher und positiver Mensch und schaue immer nach vorn. Während meiner Erkrankung bin ich immer selbst sehr aktiv gewesen, habe mich über Behandlungsmöglichkeiten informiert und stets Wege gesucht, dazu auch mit den Behandlern ins Gespräch zu kommen.
Ich kann nur jedem ans Herz legen, diesen Mut aufzubringen und die Flinte nie ins Korn zu werfen! Sicher muss man da manchmal energisch sein und das Gespräch mit Ärzten auch einfordern, aber man hat ja nur das eine Leben! Man sollte nie den Kopf in den Sand stecken, denn Patienten können selbst viel zu ihrem Therapieweg beitragen.




