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Gesundheit beginnt im Kopf – auch bei ADHS-Verdacht

Foto: ©pathdoc_schmel

Unzählige Erwachsene haben ADHS – und wissen es nicht. Sie merken nur ständigen Stress im Leben: Dinge suchen, Termine verpassen, Überforderung, Aufschieben, immer auf den letzten Drücker, sich ständig etwas vornehmen und es dann doch nicht machen. Bis hin zu Depressionen, chronischen Schmerzen, Ängsten, Burnout, Sucht und mehr.

Birgit Boekhoff

ADHS-Trainerin

Wenn sie Glück haben, stellen sie irgendwann fest, z.B. beim Lesen des Wikipedia-Artikels zu ADHS: Das könnte ich sein! Und lernen zwei Dinge: a) Ich habe endlich eine Ursache gefunden b) Ich habe eine neues Problem: Eine offizielle „Krankheit“, denn:

ADHS ist offiziell eine „Krankheit“. Sie bedeutet Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätssyndrom. Und ADHS macht auch krank, siehe oben. ABER:

Mit ADHS ist man nicht per se krank. Krank macht vielmehr, wenn ein ADHS-Mensch sich in einer Welt bewegt, für die er offensichtlich nicht gemacht ist.

ADHS an sich ist nichts anderes als eine persönliche Konstitution, eine neurobiologische Veranlagung. Es gibt starke Ausprägungen, weniger starke und gar keine. Es ist ein Kontinuum wie braune Augen, grüne, blaue. Und es kommt nicht von „zuviel Fernsehen“ und man kann es so wenig ändern wie braune Augen. Und sollte es auch nicht!

Denn: Diese Konstitution KANN zwar krank machen, wenn man sie nicht beachtet. Das Gehirn „tickt“ einfach anders, als bei der Mehrheit der Menschen – und daher versteht die Mehrheit der Menschen ADHS’ler nicht und umgekehrt – das macht krank. Alle Beteiligten.

Andersherum ist mit ADHS aber auch ein glückliches, erfolgreiches – und gesundes – Leben möglich.

Und dazu gilt: es beginnt im Kopf!

Wenn man dieses andere „Gehirn-Strickmuster“ kennt und versteht, dann ist es möglich, die vielen Stärken und positiven Eigenschaften, die ADHS‘ler haben, zu entfalten und zu nutzen: Spontanität, Kreativität, Sensibilität, Hilfsbereitschaft, Witz, Durchhaltevermögen (bei klaren Zielen!), Assoziationsvermögen, um-Ecken-Denken, und noch viel mehr.

Wir sind als gesamte Gesellschaft gefragt, uns viel mehr mit dieser Konstitution auseinanderzusetzen, als es bisher der Fall ist. Denn es fehlt hier massiv an kompetenter Hilfe. Ein ganz praktisches Hilfsangebot finden Interessierte hier: www.adhs-trainerin.de

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Psychisch erkrankte Kinder brauchen starke Eltern!

Mit 16 zieht meine Tochter sich oft zurück, kommt morgens nicht aus dem Bett, geht ungern in die Schule. Sie ist schnell gereizt und ihre Leistungen lassen nach. Ich schiebe das auf die Pubertät, reagiere mit Zuwendung oder mit Strenge, nichts hilft. Aber plötzlich beunruhigt mich ihr Verhalten, sie erzählt von Situationen, die nie passiert sind, oder fährt zum Flughafen, weil sie – angeblich – dort ein Ticket für eine Reise gebucht habe.

Janine Berg-Peer

Soziologin, Autorin, Beraterin/Coach f ür Angehörige, Aktivistin im Verband der Angehörigen psychisch Kranker e. V.

Ich bekomme Angst, spüre, dass es nicht nur die Pubertät sein kann, und entschließe mich, eine Psychiaterin aufzusuchen. „Ihre Tochter hat Schizophrenie“, sagt die Ärztin. Es war mir, als ob sich der Boden unter mir geöffnet hätte. Schizophrenie! Meine süße Tochter? 

Der erschreckenden Diagnose folgen Jahre mit zahlreichen psychischen Krisen und Krankenhausaufenthalten. Meine Tochter setzt ihre Tabletten ab, was immer wieder zu einer Krise führt. Sie hat Angst, fühlt sich verfolgt, manchmal weiß sie nicht, wer ich bin. Sie ist mir gegenüber oft gereizt, gibt zu viel Geld aus, kann nächtelang nicht schlafen. Sie will die Krankheit nicht wahrhaben, wehrt sich gegen die Medikamente, weil sie dick und müde machen.

Kein Arzt sagt mir, dass ihre Verhaltensweisen Symptome der Erkrankung sind, die auch wieder abklingen können. Niemand erklärt mir, wie ich mich in ihren Krisen verhalten soll. Es ist schwer, mit anzusehen, wie meine Tochter leidet, aber auch zu wissen, dass ihr Verhalten ihr künftiges Leben durch Schulden oder Wohnungsverlust erschweren kann. Jahrelang führe ich ein Leben im Alarmzustand.

Erst langsam finde ich heraus, dass ich durch mein eigenes Verhalten eine Krise beeinflussen kann. Meine Ängste und aufgeregten Reaktionen verschlimmern eine Krise; stattdessen muss ich mich darauf konzentrieren, wie ich meine Tochter ruhig begleiten kann. 

Mein Rat an Angehörige: Je früher eine psychische Krankheit erkannt wird, desto eher kann eine gute Therapie gefunden werden. Ohne Hilfe kann die Familie jahrelang leiden, auch Geschwister können davon „angesteckt“ werden. Mir selbst hat eine Psychotherapeutin durch die schwierige Zeit geholfen. Psychisch kranke Kinder brauchen starke Eltern!

Eine Schizophrenie ist nicht heilbar, aber auch mit dieser Diagnose ist ein gutes Leben möglich. Meine Tochter arbeitet inzwischen seit fünf Jahren als  Bezugsbetreuerin für psychisch erkrankte Menschen und hält Vorträge für Betroffene und Angehörige. Wir wissen beide, dass es immer wieder zu einer Krise kommen kann, aber wir kennen die Frühwarnzeichen und können darauf reagieren. Wir haben keine Angst vor Krisen, weil wir wissen, dass Krisen auch wieder vorbeigehen. 

Sie möchten mehr erfahren?

Weitere Informationen finden Sie unter www.angehörigenblog.de

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