Warum fahren wir aus der Haut, wenn wir gereizt sind, fühlen uns dünnhäutig, wenn wir nervlich überlastet sind oder bedrängt, wenn uns jemand auf die Pelle rückt? Die Fülle von Redewendungen im Zusammenhang mit unserem größten Organ zeigt, wie viele Bedeutungen die Haut hat.

Noch vor 30 Jahren betrachtete man sie als eine Art „Ritterrüstung“, die vorrangig die Funktionen eines Schutzmantels erfüllte. Zu ihnen zählen mechanischer Schutz vor Verletzungen und thermischer Schutz vor Hitze, Kälte und UV-Strahlen. Mit einem pH-Wert von 5,5 bewahrt uns ihr Säuremantel vor zahlreichen Noxen, und zugleich entfaltet sich der Tastsinn über unsere Haut. Die moderne Dermatologie betrachtet sie heute darüber hinaus als immunologisches Organ. Das angeborene Immunsystem der Haut wehrt bakterielle Invasoren wie Viren, Bakterien oder Pilze ab und hält uns gesund. 

Dermatologie heute

Ob aus kosmetischen oder medizinischen Gründen – die Haut spielt für die Gesundheit eines Menschen eine wesentliche Rolle. Gegenwärtig befasst sich die Dermatologie mit zwei großen Bereichen, die in den letzten Jahren weiter an Bedeutung gewonnen haben: chronisch-entzündliche Erkrankungen (Psoriasis, Neurodermitis) und Hautkrebs (schwarze und helle Formen). Im Rahmen der medizinischen Therapie geht es verstärkt darum, die Lebensqualität der Betroffenen sichtbar und spürbar zu verbessern.

Da sich chronisch-entzündliche Hautentzündungen auch auf andere Organe auswirken können,  ist eine rasche Behandlung, die dem Patienten den Leidensdruck nimmt, also unverzichtbar. Das gilt besonders für Kinder, in deren Alter die Weichen für spätere Hauterkrankungen und Allergien gestellt werden.

Genauso unverzichtbar ist die Vorsorge vor Hautkrebs. Während helle Hautkrebsformen bei früher Erkennung gut therapierbar sind, ist schwarzer Hautkrebs deutlich gefährlicher. Kein anderer, vergleichsweise so winziger Tumor ist derartig aggressiv! Schutz vor schädlicher UV-Strahlung und Vorsorgeuntersuchungen bieten die einzige Versicherung gegen den tödlichen Spitzenreiter unter den Krebsarten. 

Personalisierte Medizin

Medizinische Heilverfahren sind so komplex wie das individuelle Krankheitsbild. Früher wurden Medikamente diagnoseabhängig entwickelt. Die Entstehung von chronischen Erkrankungen und Tumoren hat heute zu einer Differenzierung von Diagnosen in kleinere Untergruppen geführt. Ziel ist es, auf molekularer Ebene zu verstehen, was im individuellen Fall zur Erkrankung geführt hat und speziell für den Patienten entwickelte Medikamente einzusetzen. Diese personalisierte Medizin, die auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten ist, anstatt Erkrankungen schematisch zu betrachten, stellt den Trend der Zukunft dar – und gibt Hoffnung auf neue Entwicklungen im Kampf gegen dermatologische Leiden.