Interview mit Erhard Hackler, Vorsitzender der Deutschen Haut- und Allergiehilfe. 

Wie viele Menschen sind in Deutschland von chronischen Hauterkrankungen betroffen?

Die häufigsten chronischen Hauterkrankungen in Deutschland sind Neurodermitis mit rund vier Millionen Betroffenen, Schuppenflechte  mit etwa drei Millionen Erkrankten und Handekzeme in unterschiedlicher Ausprägung, unter denen rund zehn Prozent der Bevölkerung leiden.

Was sind die medizinischen Kennzeichen trockener, fettarmer Haut?

Sichtbare Zeichen sind eine raue Hautoberfläche, die sich leicht schuppt und verstärkt feine Linien und Fältchen bildet. Häufig tritt ein Spannungsgefühl auf. Bei starker Ausprägung kommt es leicht zu Rötungen, Rissen und Jucken. Die Haut reagiert gereizt auf äußere Einflüsse und neigt zu Entzündungen.

Wie werden Hautkrankheiten ermittelt?

Neben den sichtbaren und spürbaren Zeichen einer trockenen und empfindlichen Haut können verschiedene Hautanalyseverfahren den medizinischen Zustand der Haut ganz konkret ermitteln.

Sie sagten, rund vier Millionen Menschen leiden unter Neurodermitis. Was sind die Auslöser für diese Erkrankung?

Die Ursachen für die Erkrankung sind bis heute nicht abschließend geklärt. Doch man kennt eine Reihe von Faktoren, die zur Entstehung beitragen können.

Und diese sind?

Zum einen ist die Hautbarriere in ihrem Aufbau verändert und dadurch in ihrer Funktion gestört. Bei einer intakten Hautbarriere liegen die Hornzellen wie Ziegelsteine übereinander, den „Mörtel“ bilden Hornfette. Bei Neurodermitis sind in der Hautbarriere zu wenige Hornfette enthalten. Außerdem hat man festgestellt, dass die Haut vieler Neurodermitispatienten einen Mangel an Filaggrin aufweist.

Filaggrin ist ein Hornschicht-Eiweiß, das unter anderem als Feuchtigkeitsspeicher dient und für eine gute Vernetzung der Hornzellen sorgt. Durch den Mangel an Hornfetten und Filaggrin ist die Hautbarriere durchlässiger. In der Folge können bei Neurodermitis Schadstoffe und Allergene leichter in die Haut eindringen und zu viel Feuchtigkeit geht über die Haut verloren. Die Neigung zu dieser Veränderung der Hautbarriere wird vererbt. Zum anderen neigen Neurodermitispatienten zu einer ebenfalls genetisch bedingten Überempfindlichkeit des Immunsystems (Atopie).

Spielen dabei auch Provokationsfaktoren eine Rolle?

Ja, auf jeden Fall. Auch wenn neurodermitiskranke Haut nie wirklich gesund ist, so können die Betroffenen doch lange beschwerdefreie Phasen erleben. Kommen aber Provokationsfaktoren hinzu, so kann ein Ekzemschub auftreten. Welche Faktoren das sind, ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich. Sie reichen von Umwelteinflüssen wie Hitze, Sonne oder Kälte über falsche Hautpflege, bestimmte Duft- oder Farbstoffe, kratzende Kleidung, Schweiß und psychischen Stress bis hin zu Allergenen wie Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare oder Nahrungsmittel.

Was kann man gegen Erkrankungen der Haut tun?

So mannigfaltig Hauterkrankungen, so verschieden die Therapien. Generell sind eine schonende und konsequente Hautpflege sowie die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem Hautarzt wichtig.

Bitte geben Sie den Lesern fünf Tipps gegen starken Juckreiz.

  1. Kühlen: Die Pflegelotion kann im Kühlschrank aufbewahrt werden. Im Akutfall helfen auch kalte Waschlappen oder Kühlpacks
  2. Nicht kratzen: Kratzen macht das Jucken nur schlimmer und birgt die Gefahr von Verletzungen und Entzündungen. Besser ist es, die Haut leicht zu klopfen, zu drücken oder zu kneifen.
  3. Luftige Kleidung aus glatten Materialien – kratzende Schurwolle vermeiden
  4. Stress vermeiden, Entspannungsübungen wie autogenes Training oder Yoga
  5. Ablenken, zum Beispiel durch Sport oder Spielen.