Dies mag auch der Grund dafür sein, dass Lebererkrankungen oft nicht oder zumindest nicht rechtzeitig diagnostiziert werden und dass Symptome einer Lebererkrankung fehlinterpretiert werden. So leiden in Deutschland mehr als eine Million Menschen an einer Leberzirrhose, viele wissen es nicht.

Bauchwassersucht und Blutungen aus Krampfadern der Speiseröhre sind bekannte Komplikationen der Leberzirrhose. Nur wenig bekannt ist bisher das Leber-Hirn-Syndrom (LHS) oder anders bezeichnet die hepatische Enzephalopathie (HE). Bedingt durch die eingeschränkte Entgiftungsleistung der Leber gelangen Giftstoffe in das Gehirn und führen hier zu Schädigungen.

Folgen sind Störungen der Bewusstseinslage, von vermehrter Müdigkeit bis hin zum Koma, kognitiver Funktionen (zum Beispiel Merkfähigkeit) und psychische Auffälligkeiten. Mitunter sind die Störungen nicht auf den ersten Blick zu erkennen, sondern nur durch spezielle Tests zu erfassen. In einer aktuellen Untersuchung, die in 16 Kliniken in Deutschland durchgeführt wurde, hatten mehr als 80 Prozent der stationär behandelten Patienten mit Leberzirrhose messbare Einschränkungen ihrer kognitiven Fähigkeiten. Nicht selten werden die Symptome des LHS in Unkenntnis einer Leberzirrhose fehlinterpretiert.

Das ist aus zwei Gründen fatal. Erstens: Das LHS kann heute in vielen Fällen gut behandelt werden, im Gegensatz zu anderen neuropsychiatrischen Störungen. Zweitens: Nach jeder Episode einer erfolgreich behandelten LHS ist eine Vorbeugung zwingend erforderlich, da es mit jedem Rückfall zu einer  bleibenden Verschlechterung der Hirnfunktion kommt.

Einfach therapierbar

Die Therapie ist einfach: Diät, spezielle Zucker (Lactulose) und ein nur im Darm wirksames Antibiotikum (Rifaximin) werden allein oder in Kombination eingesetzt. Natürlich sollte auch – sofern möglich – die Grundkrankheit behandelt werden, die zur Leberzirrhose führte.