Etwa alle zehn Minuten erleidet in Deutschland jemand einen Schlaganfall infolge von Vorhofflimmern. Knapp zwei Millionen Menschen sind hierzulande von dieser Herzrhythmusstörung betroffen. Unbehandelt erhöht Vorhofflimmern das Risiko für einen Schlaganfall um das Fünffache. Daher ist es wichtig, persönliche Risikofaktoren zu kennen und Symptome frühzeitig durch einen Arzt abklären zu lassen.

Warum erhöht Vorhofflimmern das Schlaganfallrisiko?

Beim Vorhofflimmern beginnen die Herzvorhöfe schnell und unkontrolliert zu schlagen. Durch das „Flimmern“ pumpt das Herz das Blut nicht mehr effektiv in die Kammern. Dadurch sammelt es sich in den Vorhöfen und kann so verklumpen und  Blutgerinnsel bilden. Löst sich ein solches Gerinnsel, kann es mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen und dort Blutgefäße verschließen – es kommt zum Schlaganfall.

Was macht die Erkennung von Vorhofflimmern so schwierig?

Ein Teil der Patienten nimmt das Vorhofflimmern gar nicht wahr. Ein Standard-EKG zeichnet den Herzrhythmus maximal 30 Sekunden lang auf. Langzeit-EKGs erfassen die Herzaktivität über 24 Stunden oder sieben Tage. Herzrhythmusstörungen treten jedoch häufig dann auf, wenn der Patient gerade nicht an ein EKG-Gerät angeschlossen ist. Die vorgenannten EKG-Verfahren gleichen also einer Momentaufnahme und sind daher selten in der Lage, unregelmäßige oder sporadisch auftretende Herzrhythmusstörungen aufzudecken.

Welche Alternativen gibt es, unregelmäßige Rhythmusstörungen zu erkennen?

Mithilfe implantierbarer Herzmonitore, sogenannter Ereignisrekorder, kann der Herzrhythmus kontinuierlich über Wochen, Monate und sogar Jahre erfasst werden. Selbst unbemerkte und sehr seltene Herzrhythmusstörungen lassen sich so erkennen. Die Mini-EKG-Geräte sind mit großen Speicherkapazitäten ausgestattet und werden unter örtlicher Betäubung neben das Brustbein direkt unter die Haut implantiert.

Neben einem Langzeitmonitoring bieten sie die Möglichkeit, alle aufgetretenen  Herzrhythmusepisoden telemedizinisch an den Arzt zu übermitteln. Mithilfe dieses Home-Monitorings können wir nicht nur sehr schnell, sondern auch gezielt reagieren.   

Wann und wo werden die implantierbaren Ereignisrekorder sonst noch eingesetzt?

Wir nutzen das Langzeitmonitoring beispielsweise auch für Patienten, die scheinbar grundlos oder  wiederholt bewusstlos werden. Mithilfe des Ereignisrekorders können wir herausfinden, ob die Schwindel- und Ohnmachtsanfälle durch Pausen im Herzschlag ausgelöst werden.

Schlaganfälle ungeklärter Ursache – ein weiteres Einsatzfeld für den Ereignisrekorder?

Im Gegensatz zum Herzinfarkt kann ein Schlaganfall verschiedene Ursachen haben. Bei rund 20 bis 25 Prozent der Schlaganfallpatienten ist nicht klar, wodurch der Schlaganfall verursacht wurde. Patienten, die mit Verdacht auf einen Schlaganfall ins Krankenhaus kommen, werden zunächst von Neurologen untersucht und behandelt.

Da die weiterführende Therapie von der Ursache des Schlaganfalls abhängt, wird geklärt, ob der Schlaganfall etwa durch Gefäßablagerungen, eine Hirnblutung oder eine Rhythmusstörung ausgelöst wurde. Steckt ein unregelmäßig auftretendes Vorhofflimmern dahinter, kann der Ereignisrekorder in der Regel Klarheit schaffen.

Können Ereignisrekorder die Therapie unterstützen?

Wenn Herzrhythmusstörungen  wie das Vorhofflimmern sehr unregelmäßig oder auch „still“ auftreten, ist ein implantierbarer Ereignisrekorder eine sehr gute Möglichkeit, Gewissheit zu bekommen. Da alle Episoden lückenlos rund um die Uhr erfasst werden, lassen sich auch seltenste Herzrhythmusstörungen gut diagnostizieren und behandeln. Viele unserer Patienten schätzen zudem die Option, wahrgenommene Symptome (zum Beispiel Herzstolpern oder Luftnot) zeitnah mit uns abzustimmen.

Mithilfe eines Patientengerätes sind Betroffene in der Lage, auf Knopfdruck EKGs aufzuzeichnen und diese telemedizinisch mit dem Arzt zu teilen. Auf diese Weise können wir im Anschluss online prüfen, ob die Symptome von einer  Rhythmusstörung herrühren. Das gibt vielen Patienten ein sicheres Gefühl und mehr Gelassenheit im Alltag.