Worum handelt es sich bei der Protonentherapie und welche Vorteile hat sie?

Die Protonentherapie ist eine Form der Strahlentherapie. Wir führen sie aber nicht mit elektromagnetischen Wellen oder Energiepaketen wie bei Röntgenstrahlen durch, sondern mit geladenen Teilchen und zwar mit Wasserstoffionen.

Für uns ist es wichtig, dass wir den Patienten durch die Therapie nicht stärker belasten.

Sie verhalten sich im Gewebe anders als Röntgenstrahlen. Ihr Wirkungspunkt lässt sich sehr gut planen, festlegen und steuern. Das ist wichtig, um eine Präzisionsbehandlung durchzuführen, die den Tumor erreicht und den gesunden Körper schont. Die Röntgentherapie strahlt durch den ganzen Körper. Die Ionen hingegen wandeln in den Körper hinein zu einer bestimmten, definierten Stelle und wirken nur dort.

Welche Auswirkungen hat die Protonentherapie für den Patienten?

Wir wissen, dass grundsätzlich dort, wo Strahlung ankommt, eine Nebenwirkung wie ein Zweittumor entstehen kann. Deswegen setzen wir das Gewebe weniger einem Risiko aus, wenn wir die Strahlung mit den Protonen eingrenzen. Für uns ist es wichtig, dass wir den Patienten durch die Therapie nicht stärker belasten, damit er gesellschaftlich, beruflich und familiär weiterhin möglichst gut funktioniert.

Die Forschung mit Protonen gibt es seit über 50 Jahren.

Da es noch nicht viele Langzeitbeobachtungen gibt, klären wir nach bestem Wissen und Gewissen auf, was eventuell gereizt oder vernarben kann. Wir versuchen aber, die Langzeitwirkungen ausfindig zu machen und zu belegen. Zentren wie das WPE sind meist akademisch angebunden, wie wir an die Hochschule Essen. Hier schleusen wir uns in entsprechende Studien ein.

Für wen und in welchen Fällen eignet sich die Therapie?

Die Forschung mit Protonen gibt es seit über 50 Jahren. Das fing in den USA an. Dadurch wissen wir, dass sich vor allem Augentumoren und Tumoren der Schädelbasis mit der Protonentherapie gut behandeln und heilen lassen. Das sind die akzeptierten Standardindikationen, die vom gemeinsamen Bundesausschuss und den gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland beschlossen wurden.

Je kleiner die Kinder waren, umso stärker war die gesundheitsbezogene Lebensqualität.

Dann gibt es eine Reihe von Erkrankungen bei denen derzeit viel geprüft wird, wie bei Kopf-Hals-, Knochen- und Lungentumoren oder Prostata-Karzinomen. Im Mittelpunkt der Forschung steht außerdem eine Gruppe, bei der ethisch ein großer Druck besteht. Das sind die Kinder. Am WPE führen wir aktuell eine Studie zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Kindern mit Hirn- und Schädeltumoren vor und nach der Protonentherapie durch.

Ich habe früher in der Schweiz gearbeitet und unsere Lebensqualitätsuntersuchungen dort zeigten: Je kleiner die Kinder waren, umso stärker war die gesundheitsbezogene Lebensqualität. Auch bei älteren Patienten beobachteten wir, dass die Lebensqualität nicht schlechter, sondern teilweise sogar besser wurde.

Kommen Ihre Patienten nur aus Essen und dem Ruhrgebiet?

Da es nicht viele Anlagen gibt, behandeln wir Patienten aus ganz Deutschland und dem Ausland. Wir versuchen auch mit Unterkunftsmöglichkeiten und weiteren Themen rund um die Therapie zu helfen. Falls noch begleitende Behandlungen notwendig sein sollten, steht an der Universitätsmedizin Essen viel zusätzliche Expertise und Unterstützung bereit.

Informationen

Prof. Dr. Timmermann ist Mitglied bei Primo Medico – dem exklusiven Netzwerk medizinischer Spezialisten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Weitere Informationen zu Frau Prof. Dr. med. Beate Timmermann und ihr Leistungsspektrum erhalten sie auf primomedico.com/timmermann und www.wpe-uk.de