Welche sind die häufigsten Krebserkrankungen des Magen-Darm-Traktes?

Am häufigsten sind es kolorektale Karzinome, also bösartige Tumore des Dickdarms, und Tumore des Magens sowie der Bauchspeicheldrüse. Tumore der Gallenblase und der Gallenwege sowie Leberzellkarzinome sind seltener.

Was ist bei gastroenterologischen Krebsarten besonders zu beachten?

Viele kolorektale Karzinome (Tumore des Dickdarms und des Mastdarms) lassen sich durch Vorsorgeuntersuchungen wie die Darmspiegelung vermeiden.

Wie überall in der Hämatologie und Onkologie findet derzeit eine „stille“ Revolution statt. Die Forschung erweitert das Verständnis der Tumorentstehung, es werden zahlreiche molekulare Subtypen definiert, welche auch individuell behandelt werden. Dies betrifft sicher den Dickdarmkrebs. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs sind die klinischen Fortschritte trotz massiver Forschungsanstrengungen deutlich bescheidener. Letztlich bereichern aber sogenannte „biologische“ Therapien die Behandlung sämtlicher Tumore des Bauchraumes.

Was sind die häufigsten Ursachen?

Der wichtigste Risikofaktor für Tumorerkrankungen ist das Alter. Mit zunehmender Lebenserwartung entstehen unter anderem Fehler in der Kontrolle und Reparatur der Zellteilung und im kontrollierten Absterben von Zellen, der sogenannten Apoptose. Im Entartungsprozess erwerben Zellen zum Teil Eigenschaften von frühen Vorläuferzellen, die es ihnen ermöglichen, sich vermehrt zu teilen, zu wandern und in andere Gewebe einzudringen beziehungsweise resistent gegenüber „Abschalt-“ oder anderen Kontrollmechanismen zu sein.

Und was sind die Risikofaktoren?

Karzinome der Speiseröhre sind typischerweise mit verstärktem Nikotin- und Alkoholkonsum assoziiert und beim Magenkarzinom sind chronische Geschwüre ein Risikofaktor. Für das Leberzellkarzinom ist ein wichtiger Risikofaktor eine mögliche langjährige Virusinfektion der Leber, insbesondere durch das zuletzt exzellent behandelbare Hepatitis-C-Virus.

Ein Risikofaktor für das Karzinom der Bauchspeicheldrüse sind chronische Entzündungen, beispielsweise durch langjährigen erhöhten Alkoholkonsum verursacht. Beim Dickdarmkarzinom kennt man einen Zusammenhang mit einem hohen Konsum von rotem Fleisch. Neueste Arbeiten zeigen andererseits, dass sich durch den regelmäßigen Konsum von Nüssen das Risiko des Fortschreitens von Dickdarmtumoren nach einer Operation und adjuvanter Chemotherapie senken lässt.

Was hat sich geändert in der Therapie?

Die Diagnostik und Therapie ist deutlich komplexer geworden und letztlich nur durch interdisziplinäre Teams zu beherrschen. In naher Zukunft erwarten wir den Einsatz weiterer Methoden der genetischen Diagnostik, insbesondere das NGS (Next Generation Sequencing). Hiermit wird eine neue Stufe der Diagnostik und Therapie erklommen werden, die eine hochgradig individualisierte Therapie auf Grundlage von „Big Data“ und einer Vielzahl von spezifischen, sogenannten zielgerichteten Krebsmedikamenten („targeted drugs“) ermöglicht.

Was sind die neuesten und vielversprechendsten Therapieansätze?

Das Rückgrat der onkologischen Behandlung der Tumore des Gastrointestinaltraktes ist weiterhin die klassische Chemotherapie, oft als Kombinationstherapie. Zusätzlich werden aber für bestimmte Subtypen biologische Therapien herangezogen, wie z. B. der Wirkstoff Trastuzumab beim HER2-positiven Magenkarzinom. Für eine Untergruppe von Dickdarmkrebs, den sogenannten Mikro-Satelliten instabilen Tumoren, ist in den USA bereits eine Immuntherapie mittels Checkpointhemmer zugelassen und erfolgversprechend.

Checkpointhemmer schalten „Immunbremsen“ im Körper aus und verstärken zum Teil erheblich die Fähigkeit des Patienten, den Tumor selbst zu kontrollieren. Das ist nicht immer ungefährlich, da auch ungewünschte Immunreaktionen gegen gesundes Gewebe initiiert werden können. Für andere Krebserkrankungen wie das fortgeschrittene Bauchspeicheldrüsenkarzinom oder die Gallengangstumore warten wir allerdings zum Teil verzweifelt auf wirkliche klinische Fortschritte.

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