Sie müssen sich auch mit möglichen Folgeerscheinungen wie dem hohen Risiko einer akuten oder chronischen Nierenschädigung auseinandersetzen. Dank einer neuen Therapie, der High Cut-Off-Dialyse, kann bei ausgewählten Patienten mit akuter Nierenschädigung das Risiko einer dauerhaften Niereninsuffizienz reduziert und den Betroffenen somit eine bessere Lebensqualität sowie Prognose beschert werden.

Krebserkrankungen und Nierenversagen

Das Multiple Myelom ist eine schwere chronische Erkrankung und die zweithäufigste Blutkrebserkrankung in Deutschland. Die Krankheit tritt vermehrt im höheren Alter auf (ab 60 Jahre) und betrifft häufiger Männer als Frauen. Ein Nierenversagen als mögliche Folgeerscheinung dieser Erkrankung verschlechtert häufig den Zustand des Patienten und kann dessen Lebenserwartung verkürzen.

Das Nierenversagen wird durch sogenannte freie Leichtkettenproteine verursacht, welche von den Krebszellen in großer Zahl gebildet werden. Diese freien Leichtketten reagieren in den Harnkanälchen der Niere mit Tamm-Horsfall-Protein, was zu Ausfällungen, sogenannten Casts, und damit zur Verstopfung der feinen Harnkanälchen führt. Rascher Verlust der Nierenfunktion und ein akutes Nierenversagen sind häufig die Folge.

Bisher waren Versuche, die freien Leichtketten mit Blutreinigungsverfahren wie Plasmaaustausch oder auch mit Standard-Dialysemembranen zu entfernen und damit die zunehmende Beeinträchtigung der Nierenfunktion zu verhindern, nicht sehr erfolgreich. Doch eine neue Therapie zur Behandlung der Myelomniere kann für viele dieser Patienten eine enorme Verbesserung darstellen.

High Cut-Off-Dialyse

Die neue, einzigartige High Cut-Off-Membrantechnologie führt zur effizienten und direkten Entfernung von freien Leichtkettenproteinen im Serum und anderen Plasmakomponenten mit einem Molekulargewicht von bis zu 45 kDa. Die Eliminationseigenschaften von synthetischen Membranen werden primär durch Porengröße und Struktur der Membran bestimmt. Das Geheimnis der High Cut-Off-Technologie liegt darin, dass die Porenstruktur wesentlich größer ist als bei herkömmlichen Dialysemembranen, jedoch anders als beim Plasma-Austausch wichtige großmolekulare Substanzen nicht entfernt.

Zeit gewinnen 

Erste Pilotstudien zu der neuen Therapie sowie Vorhersagen auf Basis modellierter Überlebensdaten im Vergleich zu konservativen Kontrollen deuten darauf hin, dass diese Therapie langfristige klinische Vorteile und einen kostengünstigen Einsatz der Ressourcen im Gesundheitswesen ermöglicht. Für Patienten und ihre Familien kann dieser Unterschied Lebenszeit-relevant sein.

Diese Ergebnisse werden derzeit im Rahmen einer laufenden Kontrollstudie validiert. Deren klinischer Leiter PD Dr.  med. Nils Heyne, Nephrologe am  Universitätsklinikum Tübingen, sieht in der neuen Therapie „eine wertvolle Ergänzung zur stets vorrangigen Chemotherapie. Sie ermöglicht die effektive Entfernung großer Mengen an nierenschädigenden Leichtkettenproteinen und kann somit zu einer nachhaltigen Verbesserung der Prognose für Patienten mit Multiplen Myelom und dialysepflichtiger Nierenschädigung beitragen.“