Circa 25 Prozent der Bevölkerung gelten als zumindest zeitweise psychosomatisch erkrankt. Wenn Patienten Angst vor einem Zahnarztbesuch haben oder ihn meiden, obwohl eine Behandlung nötig ist, könnten dies erste Anzeichen dafür sein, dass hinter Zahnschmerzen seelische Konflikte stehen oder umgekehrt hinter seelischen Belastungen zahnmedizinische Aspekte.

Der Zahnarzt oder Psychotherapeut sollte genau schauen, in welchem Zusammenhang alles miteinander steht. Im Grunde ist die Psychosomatik eine geänderte Wahrnehmungsweise des Menschen. Die Erkrankung besagt etwas über den Patienten als Ganzen und ist gewissermaßen ein Informant.

Patienten, bei denen möglicherweise ein Zusammenhang ihrer zahnärztlichen Probleme mit psychischen Belastungen besteht, können sich in Berlin an die Einrichtung „Seele und Zähne“ wenden. Die bundesweit erste fachübergreifende Patientenberatungsstelle dieser Art ist ein kostenloses Angebot der Zahnärztekammer Berlin und der Psychotherapeutenkammer Berlin. Leiterin der Spezialsprechstunde ist Dr. Bettina Kanzlivius.

Wenn ein Patient sich akzeptiert oder sogar verstanden fühlt, nimmt er leichter psychologischen Rat an.

Woran kann man erkennen, ob ein Patient mehr als zahnmedizinische Hilfe braucht? Patienten, die schon viele Behandlungen ohne Erfolg durchführen ließen, benötigen manchmal zusätzlich eine psychosomatische Behandlung. Auch diejenigen mit langen Kranken- oder Leidensgeschichten können oft nicht isoliert zahnmedizinisch behandelt werden.

Wenn der Patient oder der behandelnde Zahnarzt „unsicher“ sind, ist es angeraten, eine Vorstellung bei der Sprechstunde „Seele und Zähne“ zu veranlassen, damit eine umfassende Einschätzung vorgenommen und eine Betreuung veranlasst werden kann.

Entscheidend ist, dass der Patient sich mit seinen Beschwerden und Anliegen ernst genommen fühlt. Wenn ein Patient sich akzeptiert oder sogar verstanden fühlt, nimmt er leichter psychologischen Rat an. Psychotherapie und die Zahnmedizin ergänzen sich gegenseitig: Die meisten Patienten kommen zunächst mit ihren rein somatischen Problemen. Diese gilt es ernst zu nehmen und dabei abzuschätzen, inwiefern psychische Komponenten hineinspielen.

Patienten, die psychisch so schwer betroffen sind, dass jede zahnmedizinische Behandlung hinter der psychologischen, teils sogar stationär psychiatrischen hintanstehen muss.

Dabei sind sowohl zahnmedizinisches Wissen als auch psychologische Sachkenntnis gleichermaßen von Bedeutung. Die Beratung erfolgt deshalb gemeinsam mit einem Psychotherapeuten. Im vertrauensvollen Gespräch mit dem Patienten kommen fast immer auch die persönliche Lebenssituation und damit verbundene Schwierigkeiten zur Sprache. Mit viel Einfühlungsvermögen lassen sich dann häufig Verbindungen zu körperlichen Beschwerden finden und individuelle Lösungen anbieten.

In den Sprechstunden stellen wir überwiegend eine ähnliche Verteilung fest: Viele Patienten kommen mit mittelschweren Problemen. Dazu kommen Patienten, bei denen Zahnärzte vor der Behandlung eine „Zweitmeinung“ suchen oder bei denen mit relativ wenigen Maßnahmen eine Besserung erzielt werden kann.

Leider gibt es aber auch einige sehr schwere Fälle: Patienten, die psychisch so schwer betroffen sind, dass jede zahnmedizinische Behandlung hinter der psychologischen, teils sogar stationär psychiatrischen hintanstehen muss. In diesen Fällen ist eine enge Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten nötig, um dem Patienten die erforderliche Hilfe anzubieten.

 

Informationen

Weitere Informationen erhalten Sie auf der Website der Berliner Zahnärztekammer unter www.zaek-berlin.de/Patienten/Patientenberatung.html.