Allem voran spielt hier die Digitalisierung in Zukunft eine tragende Rolle. Sie hat natürlich längst die Medizin erreicht und wird auch das  Gesundheitssystem grundlegend verändern – in dem Sinne, dass Betroffene zum Beispiel von besseren Diagnosen und individuellerer Behandlung profitieren.

Fortschreitende Digitalisierung

Medizinische Daten, wie etwa Anamnese, Blutwerte oder Befunde, werden in Arztpraxen direkt in Computersystemen erfasst. Die intelligente Verknüpfung dieser gewaltigen Mengen verschiedener Daten durch immer leistungsfähigere IT-Systeme birgt die Möglichkeit, ein dynamisches und ganzheitliches Bild der Gesundheit jedes einzelnen Menschen zu zeichnen. Ein anderes Beispiel sind telemedizinische Anwendungen, die eine bessere Versorgung von Menschen in ländlichen Regionen und angesichts voller Wartezimmer ermöglichen.

Souveräner Patient

Wird die Gesundheitsleistung auf dem Weg zu einer individualisierten Medizin spezialisierter, ist auch die Aufklärung des Patienten wichtiger: Er wird souveräner und auch die Rolle des Arztes verändert sich. Sind Gesundheitsdokumente wie Befunde und Begleitinformationen auf dem Smartphone zur Hand, erleichtert dies die Arbeit des weiterbehandelnden Arztes. Es reduziert die Anzahl eingehender Anfragen von medizinischen Kollegen, die nach Befunden fragen. In der App hat wiederum der Patient alle Ärzte zu jeder Zeit im Blick und ihre medizinischen Dokumente immer dabei.

Neue Verfahren mit 3D-Druck

Besonders die Orthopädie und Unfallchirurgie profitiert von neuen Entwicklungen des 3D-Drucks, der sich in der Medizin rasant ausbreitet: Ob nun Prothesenschäfte, Prothesencover, Orthesen oder Korsette – mit dem neuen Verfahren können Implantate und Prothesen kostengünstiger, komplexer und maßgeschneiderter angeboten werden. Anhand des virtuellen Modells lässt sich das zu fertigende Hilfsmittel mit dem Patienten, Arzt oder Therapeuten vor der Fertigung begutachten. Änderungen oder die Integration therapeutischer Module sind so leichter und auf den Therapieverlauf anpassbar, was die Wirksamkeit der Behandlung verbessert. Außerdem spart man dank des ressourcenschonenden Materialaufwands Kosten und Fertigungszeiten. Besonders bei modebewussten Patienten kommen Orthesen und Prothesen aus diesem generativen Fertigungsverfahren gut an. Denn es gibt vielfältige Möglichkeiten, Bedürfnisse und Vorlieben der Nutzer in das Herstellungsverfahren zu integrieren. Kein Problem sind dann plötzlich Lieblingsfarbe oder -muster oder Design- und Schmuckelemente. Einzelanfertigung lautet das Stichwort.

Verfahren mit Knochentransplantation

Ebenfalls Neuland betreten Mediziner im Bereich der Knochentransplantation: Nach Schätzungen von Orthopäden und Unfallchirurgen werden über 30.000 Transplantationen von knöchernem Gewebe pro Jahr in Deutschland durchgeführt. Bisher basierte die Spende von Knochen auf der Eigenspende. Dem Patienten entnahm man Knochen, um diesen an anderer Stelle des Körpers zu verpflanzen. Diese Entnahme kann nun ersetzt werden durch das biologisch nächstbeste Verfahren – die Transplantation eines allogenen Knochens. Er wird, zum Beispiel für eine Gelenkersatzoperation, von einem anderen Menschen gewonnen.

Bedarf an Gewebespende

Ein zweites Verfahren ist die Gewebespende, bei der man in der Regel von Verstorbenen die Knochen entnimmt, diese weiterverarbeitet und transplantiert. Gerade diesen neuen Formen von Knochenspenden kommt in Zukunft eine größere Rolle zu. Wegen einer zunehmenden demografischen Veränderung und Alterung der Bevölkerung treten Knochenbrüche oder degenerative Gelenkerkrankungen zwangsläufig häufiger auf. Es wird also immer mehr Fälle geben, bei denen Defekte mit solchen revolutionären Innovationen der Medizin zu behandeln sind.