Es hat bei Ihnen ziemlich lange gedauert, bis Sie wussten, dass Sie an Hashimoto leiden. Können Sie diesen Weg beschreiben?

Es ging im Herbst 2008 los. Alles war schön in meinem Leben. Toller Job. Neues Auto. Ich war mit meinem Mann in Hamburg glücklich. Allerdings merkte ich: Irgendetwas stimmt nicht.

Ich stand an der grünen Ampel und spürte meinen rechten Fuß nicht mehr.

Ich erkläre das anderen immer mit dem Gefühl, wenn man morgens aufwacht und merkt, dass man eine Erkältung kriegt, sich aber noch keine Symptome zeigen.

Ich war wahnsinnig müde. Ich hatte sehr zugenommen, was beim Fernsehen eher kontraproduktiv ist. Dennoch half es nicht, wie sonst Sport zu machen und weniger zu essen. Es kamen Verdauungsprobleme hinzu. Mir fielen die Haare aus. Die Haut veränderte sich. Die Regel blieb aus. Irgendwann waren sogar meine Hände und Füße gelähmt. Ich stand an der grünen Ampel und spürte meinen rechten Fuß nicht mehr.

Dieser Zustand dauerte drei Jahre, in denen es mir richtig schlecht ging. Ich habe nur noch gearbeitet und mich privat zu Hause vergraben. Da ich keine Diagnose hatte, konnte ich auch von keiner Krankheit berichten.

Was sagten die Ärzte?

Sie diagnostizierten Gehirntumor, Rheuma oder Borreliose. Was alles widerlegt wurde. Viele dachten, ich spinne. Sie verschrieben Psychopharmaka, damit es mir besser geht. Die Rezepte habe ich vor deren Augen zerrissen und gesagt: „Heilt meinen Körper, dann geht’s auch meiner Psyche gut.“ Nicht selten bin ich aus diversen Praxen geflogen. Nur mein Hausarzt hat mir geglaubt.

Wie haben Sie dann die richtige Diagnose bekommen?

2011 telefonierte ich an einem Freitagnachmittag mit einem Freund, der von einer Bekannten mit denselben Symptomen berichtete. Sie leide an einer Autoimmunerkrankung, deren Namen er nicht kenne. Ich googelte, las die Internetseiten zu Hashimoto und stellte fest: Das bin ich! Gleich am Montag ging ich zu meinem Hausarzt.

Der guckte in seine Blutwerte, die man drei Jahre lang zurückverfolgen konnte, und meinte: „Mist, das hätten wir sehen können.“ Ein Kollege von ihm sagte dann nach dem Ultraschall, dass meine Schilddrüse aber super aussehe – ich fiel erneut in ein tiefes Loch.

Als Journalistin kann ich reisen und leichter Experten befragen.

Zwei Wochen später erklärte mir eine Internistin jedoch aufgrund der Bilder, dass mein Immunsystem die Schilddrüse schon so gut wie zerstört hätte.

Da hatte ich die Diagnose.

 

Irgendwann haben Sie sich dann entschieden, andere aufzuklären. Sie haben inzwischen erfolgreich zwei Bücher und die Facebook-Seite „Hashimoto Deutschland“ veröffentlicht.

Als Journalistin kann ich reisen und leichter Experten befragen.

Ich erhalte viele Nachrichten von dankbaren Lesern, die endlich verstehen, was mit ihrem Körper passiert.

Ich habe mir für Tausende Euro Literatur aus den USA schicken lassen. Einige Ärzte empfehlen ihren Patienten zu Beginn der Behandlung sogar die Bücher von der Blumhagen, damit sie erst mal verstehen, was mir ihrem Körper passiert.

Ich komme ja aus dem Boulevardjournalismus mit einer einfachen Sprache, die den Leuten näher ist.

Wie reagiert die Öffentlichkeit auf Ihre Publikationen?

Ich erhalte viele Nachrichten von dankbaren Lesern, die endlich verstehen, was mit ihrem Körper passiert. Und mit diesem Wissen können sie auch adäquat mit ihrem Arzt reden, um endlich richtig behandelt zu werden. Ich bin aber auch von Medizinern angegriffen worden.

Was raten Sie anderen Betroffenen?

Ich empfehle Ärzte, die alternativmedizinisch arbeiten und über den Tellerrand der Schulmedizin schauen können. Man muss ganzheitlich den ganzen Menschen anschauen, weil Hashimoto so komplex ist. Da hilft zum Beispiel nicht nur der Hormonspezialist. Denn der hat keine Ahnung von Darm oder
Nebennieren.

Wie kommen Sie persönlich mit dieser chronischen Krankheit zurecht?

Ich lasse sie nicht überhandnehmen. Aber ich bin bestimmt noch nicht austherapiert.

Wie geht Ihre Aufklärungsarbeit weiter?

Ich plane aktuell eine weitere Aktion im Web. Mein Traum wäre irgendwann eine Hashimoto-Ambulanz in jeder größeren Stadt. Dort nimmt man Patienten wirklich ernst und hilft ihnen.