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Bestens versorgt in der Praxis!

Foto: fizkes via Shutterstock

Beim niedergelassenen Onkologen erhalten Krebspatienten eine ganzheitliche Betreuung, ohne auf Innovationen verzichten zu müssen. Interview mit Prof. Dr. Wolfgang Knauf, Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO)

Prof. Dr. Wolfgang Knauf

Vorstandsvorsitzender des Berufsverbands der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen (BNHO)

Wie hat sich die Behandlung von Krebserkrankungen verändert?

Stahl, Strahl und Chemo – früher bediente sich der Onkologe bei der Behandlung seiner Patienten ausschließlich dieser drei Mittel. Mit Stahl war das Skalpell des Chirurgen gemeint, das im Kampf gegen den Krebs meist noch von einer Chemo- und/oder Strahlentherapie unterstützt wurde. Heutzutage haben wir nicht nur eine Flut an neu zugelassenen, oral einzunehmenden oder intravenös zu verabreichenden Medikamenten zu Verfügung, sondern auf Basis sehr feiner, molekularer Analysen der Tumoren auch ganz andere Ansatzpunkte, die uns erlauben, differenzierter vorzugehen – nicht nur inwenigen großen Zentren, sondern auch in den Schwerpunktpraxen für Hämatologie und Onkologie.

Was können die Schwerpunktpraxen leisten?

Nahezu alles. Während es vor zwanzig Jahren unter Umständen noch hieß „Da müssen wir Sie mal an die Uniklinik schicken“, können wir heute sagen: „Die Innovationen kommen zum Patienten – nicht der Patient zu den Innovationen“. Egal, ob es dabei zum Beispiel um die Möglichkeit zur Teilnahme an Studien, die Behandlung mit einer Immuntherapie oder neue Medikamente geht – all das können Schwerpunktpraxen leisten. Voraussetzung ist ein hoher diagnostischer Aufwand, an dem mehrere untereinander eng vernetzte Fachärzte beteiligt sind, die ihren Patienten dank ihrer Expertise individuell passende Therapien schneidern können. Dabei spielt aber nicht nur das spezielle biologische Profil des Tumors eine Rolle, sondern selbstverständlich auch der Patient in all seiner Individualität. Und genau das macht die Sache knifflig und zeitaufwändig.

Worauf kommt es dabei besonders an?

Moderne, zielgerichtete Therapien bedürfen eines besonders engen Arzt-Patienten-Kontakts. Zu entscheiden, welche Behandlung die richtige ist, erfordert eine intensive Auseinandersetzung mit dem Patienten und dessen Lebensumfeld, die durch den niedergelassenen Onkologen mit eigener Praxis oft besser geleistet werden kann als im stressigen Klinikalltag mit wechselndem ärztlichen Personal. Ist der Patient gebrechlich und überwiegend bettlägerig, oder ist er jung und sportlich ? Sagt er „Ich will die Krankheit radikal loswerden“ oder „Ach wissen Sie, ich bin schon 85, ich will eigentlich nur noch die Hochzeit meiner Enkelin in einem halben Jahr miterleben.“ Die onkologische Kompetenz in Beziehung zu setzen mit der individuellen Lebenssituation des Patienten – genau das ist die Domäne des niedergelassenen Onkologen.

Welche Therapieinnovationen stehen gerade im Fokus?

Der Trend geht zur chemotherapiefreien Behandlung – herausragende Beispiele dafür sind die chronische lymphatische Leukämie, bei der man auch unabhängig von speziellen biologischen Profilen der Erkrankung mit neuen Medikamenten beeindruckende Erfolge erzielen kann, oder das metastasierte Lungen- und das Nierenzellkarzinom. Insbesondere bei letzterem hatte man früher mit klassischer Chemotherapie ganz schlechte Karten. Durch die Kombination von Signalhemmern einerseits und Immuntherapie auf der anderen Seite ergeben sich ganz neue therapeutische Möglichkeiten.

Über den BNHO e.V.

Der Berufsverband der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland vertritt bundesweit die berufspolitischen, wirtschaftlichen und sozialpolitischen Interessen seiner Mitglieder. Aktuell sind rund 600 niedergelassene FachärztInnen der Inneren Medizin mit Schwerpunkt Hämatologie und Onkologie bzw. mit vergleichbarer hauptamtlicher onkologischer Tätigkeit im Berufsverband vereint. Zusammengefasst behandeln sie rund die Hälfte aller TumorpatientInnen in Deutschland.

Weitere Informationen finden Sie unter bnho.de.

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Die Krankheit darf kein Tabu sein

Die Erkrankung seiner Tochter Nova hat auch den Alltag von TV-Moderator Jörg Pilawa verändert. 

Herr Pilawa, Ihre Tochter Nova ist im Alter von zwei Jahren an Rheuma erkrankt. Wie geht es Ihrer Familie heute? 

Wir hatten Glück, dass das Rheuma bei Nova so früh erkannt wurde. Zwischen ersten Symptomen und Diagnose sind keine vier Wochen vergangen. Wir haben leider viele Kinder kennengelernt, denen es wesentlich besser gehen würde, wenn sie ihre Diagnose frühzeitig bekommen hätten. Gerade bei Kindern vergehen aber oft Monate oder sogar Jahre, in denen schlimme Schäden auftreten. Ich möchte gern dazu beitragen, dass bekannter wird, dass Rheuma schon bei Kindern auftreten kann.

Wie hat sich Ihr Familienalltag durch Novas Erkrankung verändert? 

Die vielen Termine zu managen, das war sicherlich die größte Umstellung. Davon ist ja nicht nur das Kind betroffen, sondern die ganze Familie. Das fängt bei der Urlaubsplanung an: Wir sind immer gern Skifahren gewesen, aber das ist für Nova einfach nicht mehr das Richtige – für sie ist ein Urlaub in der Sonne besser. Wichtig ist, dass man solche Themen offen mit allen Familienmitgliedern anspricht. Damit die älteren Kinder nicht zurückstecken müssen, können sie allein oder mit einem von uns in eine Skifreizeit fahren. Für akute Phasen haben wir für Nova einen Sitzroller angeschafft. Und wir haben einen sternförmigen Drehöffner für Flaschen, damit sich Nova auch selbst eine Flasche öffnen kann, wenn sie durstig ist.

Hat Nova auch mal schlechte Tage, an denen sie auf das Rheuma schimpft? 

Die Medikamente sind das einzige Problem. Es ist ein Geschenk für uns, dass sie ein absoluter Sonnenschein ist. Sie möchte am liebsten den ganzen Tag Gas geben. Nur wenn es ihr nicht gut geht, zieht sie sich mal zurück, aber das ist nur ganz selten der Fall.

Wenn ein Kind krank ist, machen sich Eltern automatisch Sorgen. Wie gehen Sie mit dieser Angst um?

Das ist das Brutalste an einer Autoimmunerkrankung wie Rheuma: Wenn es gerade gut läuft, hast du immer die Sorge, dass es am nächsten Tag schon wieder anders ist. Mein Rat an alle Betroffenen: Genießt jeden Moment, in dem es gut geht! In den schlechteren Zeiten mache ich mir immer wieder bewusst, dass es auch wieder besser wird. Wenn ein Infekt im Kindergarten umgeht, überlegen wir manchmal, Nova zu Hause zu lassen, damit sie nicht wieder einen Schub bekommt. Mittlerweile schicken wir sie trotzdem, denn wir wissen: Wir können sie nicht vor allem bewahren. Wenn sie sich nicht im Kindergarten ansteckt, kann es am nächsten Tag an der Supermarktkasse sein. Ansonsten versuchen wir, so normal wie möglich weiterzuleben. Für uns ist es wichtig, dass Nova keine Sonderbehandlung bekommt. Das ist weder für sie noch für ihre Geschwister gut. Nova ist ja sowieso unser Nesthäkchen, aber es ist wichtig, ihr zu sagen: Du darfst nicht immer das erste Stück Kuchen haben, die anderen sind auch mal dran!

Haben Sie auch Kontakte zu anderen Eltern betroffener Kinder?

Während unserer Klinikaufenthalte sind richtige Freundschaften entstanden. Wir telefonieren auch und tauschen uns aus. Das Gefühl, mit etwas nicht allein zu sein, ist eine Wahnsinnshilfe – und ganz praktische Tipps natürlich auch. Und als Community können wir auch gemeinsam etwas bewegen.  

JÖRG PILAWA

Der Rheuma-Liga-Botschafter wohnt mit seiner Frau in Hamburg. Das Paar hat drei Kinder: Emmy, Juri und Nova. Außerdem hat der beliebte TV-Moderator noch einen Sohn aus seiner ersten Ehe.

Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e. V.

Telefonhotline: 0800-18 18 120
Webseite: www.rheuma-liga.de

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