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Lebensrettung mit der künstlichen Lunge

Foto: SewCream via Shutterstock

Ärzte können Patienten, die unter akutem, gefährlichem Lungenversagen leiden, dank einer zukunftsweisenden Therapie inzwischen schonender behandeln. Dabei sorgt eine sogenannte künstliche Lunge für den lebensnotwendigen Gasaustausch.

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COPD – das steht für „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“ – ist eine der häufigsten Lungenerkrankungen. Bei dieser Erkrankung verschlechtert sich die Lungenfunktion der Patienten kontinuierlich. Nach Schätzungen leiden zehn bis zwölf Prozent der Erwachsenen über 40 Jahre in Deutschland unter einer COPD. Dazu passen aktuelle Zahlen zur Entwicklung der COPD in Deutschland: 2010 wurden 6,8 Millionen COPD-Erkrankungen geschätzt, bis 2030 wird mit einem Anstieg auf 7,9 Millionen gerechnet. Die Häufigkeit der Krankheit in der Bevölkerung, die sogenannte Prävalenz, steigt auch weltweit: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird die COPD im Jahr 2030 an dritter Stelle der tödlichen Erkrankungen stehen.

Gefährliche COPD

Betroffene sind vor allem Raucher. Luftbelastungen am Arbeitsplatz mit Chemikalien und Staub stellen ebenfalls ein Risiko für die Entwicklung einer COPD dar. Sie gehört damit in Deutschland zu den bedeutendsten Berufskrankheiten. Weiteres Problem: Die COPD ist nicht heilbar, Patienten leiden unter Atemnot, Husten und Auswurf und müssen eine deutlich erhöhte Atemarbeit verrichten. Die Lungenfunktion wird bei COPD über die Jahre immer schlechter, was letztlich die Lebenserwartung verkürzt. Aus diesem Grund forscht die Wissenschaft kontinuierlich nach neuen Möglichkeiten der Behandlung. In einem sehr schweren Stadium der Krankheit müssen Patienten sogar auf der Intensivstation aufgenommen werden. Gängig ist dort bei diesen Fällen bisher eine sogenannte mechanische Beatmung – spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem der Patient selbst nicht mehr die nötige Kraft dazu aufbringt. Allerdings müssen die Betroffenen dafür im künstlichen Koma liegen. Wegen des Überdrucks, mit dem Luft in die Lungen gepresst wird, kommen Nebenwirkungen hinzu: zerstörte Lungenbläschen oder ein Zwerchfell, das degeneriert. Auch der Gasaustausch ist oft nicht ausreichend. Und nicht zuletzt ist das Abtrainieren vom Beatmungsgerät für den Patienten nicht selten ein wochenlanger äußerst anstrengender und belastender Prozess. 

Künstliche Lungen

Eine Alternative sind künstliche Lungen: Mit ihnen erhält der Patient sozusagen eine „zweite Lunge“, allerdings außerhalb seines Körpers. Zum Einsatz kommen dafür pumpengetriebene Lungenunterstützungssysteme. Sie entfernen das Kohlendioxid in der Lunge und fügen Sauerstoff hinzu. Dafür „atmet“ ein Membranventilator außerhalb des Patienten. Das System wird über Kanülen an der Körperleiste „angeschlossen“. Messegeräte und eine justierbare Blutpumpe übernehmen die Flusskontrolle. Da alle technischen Komponenten Platz auf einem fahrbaren Trolley finden, kann sich der Patient während der Behandlung auch bewegen.

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Zahlreiche Vorteile

Die Vorteile für den Körper: Das respiratorische System wird entlastet. Die Lunge gewinnt Zeit, um zu heilen. Gut für den Patienten: Er bleibt dank dieser technischen Innovation wach und selbstbestimmt, kann essen, kommunizieren und sich im Sinne der Patientenfitness bewegen. Insbesondere bei den Patienten mit COPD möchte man mithilfe der künstlichen Lunge aber vor allem auf die erheblich belastende und sehr langwierige mechanische Beatmungstherapie komplett verzichten, damit kann der Patient die Intensivstation früher verlassen. Der Patient nimmt aktiv an der Therapie teil. Seine Lebensqualität steigt. Die Pluspunkte für das medizinische Personal im täglichen Klinikalltag: Ärzte und Pfleger können den Gasaustauscher und die Pumpe leicht mit einem Griff höhenverstellen. Sie reagieren so einfach auf die individuelle Behandlungssituation ihres Patienten, je nachdem ob er im Bett liegt, sitzt oder ein paar Schritte gehen möchte. Bis zu 29 Tage lässt sich diese Therapie des Gastaustauschs über die „zweite Lunge“ einsetzen. Ärzte können damit auch das Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS) behandeln, insbesondere wenn die mechanische Beatmung nicht mehr in der Lage ist, den lebenswichtigen Gasaustausch zu sichern. Auch bei dieser dann lebensbedrohlichen Erkrankung geht es darum, die potenziell schädigenden Effekte der mechanischen Beatmung zu reduzieren und damit die Überlebenschance des Patienten zu verbessern.

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