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Gesundheit jenseits der Nachweisgrenze ist möglich. Aber: Stigmatisierung erschwert Zugang zu Aufklärung und Beratung. Verglichen mit den 80er- und 90er-Jahren ist es still geworden um HIV und AIDS – im Kino wie in der Lindenstraße.

Wahrscheinlich, weil die Aufklärung zu Safer Sex Früchte getragen hat und weil anders als vor zwanzig oder dreißig Jahren eine HIV-Infektion dank medikamentöser Therapien kein Todesurteil mehr ist.

Die Lebenserwartung der Betroffenen nähert sich der von Gleichaltrigen an, sie können einen nahezu normalen Alltag leben. Dem medizinischen Fortschritt zum Trotz erschwert aber die Angst vor Diskriminierung den Zugang zu Aufklärung und Beratung. Viele Betroffene verdrängen das Thema HIV. Fachleute fordern deshalb an vorderster Front ein Ende der Stigmatisierung.

Allein in 2016 wurden drei neu entwickelte Therapien eingeführt.

In Deutschland kennen nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts 2016 circa 85 Prozent der HIV-Infizierten ihren Status. Rund 82 Prozent dieser Gruppe sind in Behandlung. Damit liegt Deutschland unter den 90:90:90-Zielen des Projektes UNAIDS der Vereinten Nationen.

Bis 2020 sollen demnach 90 Prozent der Betroffenen ihre Diagnose kennen, 90 Prozent davon mit einer Therapie versorgt und bei 90 Prozent die Vermehrung des HI-Virus im Körper so zuverlässig blockiert sein, dass es im Blut unterhalb der Nachweisgrenze liegt. Expertengruppen empfehlen darüber hinaus, auch Langzeitgesundheit und Lebensqualität in die internationalen Ziele aufzunehmen.

Perspektive Langzeit-gesundheit ist Realität

Im Zuge der steigenden Lebenserwartung mit HIV gewinnt aus medizinischer Sicht die Lebensqualität bis ins Alter an Stellenwert. Die Innovationszyklen der HIV-Medikamente gleichen denen von Smartphones: Allein in 2016 wurden drei neu entwickelte Therapien eingeführt.

In den vergangen Jahren konnten nicht nur Wirkstoffkombinationen weiterentwickelt sondern auch Nebenwirkungen sowie Langzeittoxizität effektiv reduziert werden. Neben das vorrangige Ziel, das HI-Virus zuverlässig unterhalb der Nachweisgrenze zu halten, tritt der Erhalt der Langzeitgesundheit. Für die Betroffenen ist das eine spürbare Entlastung, da sie im Vergleich zu früher einen normalen Alltag leben können.

„HIV-Mythen“ leben bis heute

Die medizinischen Fortschritte sind im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit kaum präsent. Vereinzelt gehen Prominente mit einer HIV-Diagnose an die Öffentlichkeit. In Foren, Artikeln oder Blogs schildern Betroffene dennoch das Gefühl von Ausgrenzung oder den bewussten Rückzug.

Menschen, die HIV-gefährdet sind oder mit HIV leben, brauchen vielmehr Aufklärung und Motivation.

Das Stigma einer Ansteckungsgefahr, die von HIV-Infizierten ausgehen könnte, beherrscht ihren erlebten Alltag.

Eine Konsequenz ist das Verdrängen des Themas HIV und das Verschließen vor Aufklärungs- und Beratungsangeboten.

„Therapie-Stopper“ Stigmatisierung

Menschen, die eine HIV-Behandlung und Beratung über Präventionsmaßnahmen benötigen, dürfen kein Problem damit haben, diese in Anspruch zu nehmen, so die Forderung eines Expertengremiums mit Vertretern aus zehn westeuropäischen Ländern. Ihre Auswertung der internationalen Daten von mehr als 10.000 Befragten wurde in dem Bericht „HIV – The Long View“ zusammengefasst und aktuell auf dem Kongress HIV Glasgow vorgestellt.

Die Wissenschaftler und Ärzte sprechen sich deutlich für die Beendigung der Diskriminierung im Zusammenhang mit Sexualverhalten, sexueller Gesundheit und HIV-Status aus. Ihr Statement: Menschen, die HIV-gefährdet sind oder mit HIV leben, brauchen vielmehr Aufklärung und Motivation, um die Prävention chronischer Erkrankungen selbst durch optimal abgestimmte Therapien mit in die Hand zu nehmen.

Eine erfolgreiche HIV-Therapie braucht den Rückhalt aus der Gesellschaft und Fakten, um die Stigma-Barrieren einzureißen. Der Weltaidstag ist deshalb auch im 29sten Jahr ein relevanter Anlass, wie ein Leuchtturm Licht auf den Alltag und die Zukunft mit HIV zu werfen.

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Allergien

Vor zwei Jahren erhielt die Tuberkulose- und Lepraärztin Dr. Christine Schmotzer das Bundesverdienstkreuz. Im Interview spricht sie über die Erkrankung Tuberkulose (TB) und darüber,
warum Armut und TB eine unheilvolle Wechselwirkung haben. 

Hallo Frau Dr. Schmotzer, Grüße nach Pakistan, wo TB noch eine große Rolle spielt. Was ist Tuberkulose und um was für eine Krankheit handelt es sich dabei?

Das ist ein Bakterium, ein Erreger, der sich sehr leicht verbreitet und die Menschen befällt, normalerweise als Tröpfcheninfektion. Mit TB steckt man sich immer von anderen Menschen, gelegentlich auch mal von Tieren an. In einem Land, in dem es viele TB-Patienten gibt, die nicht oder nicht richtig behandelt werden, hat im Prinzip jeder Mensch ein Risiko, dass er sich auch an Tuberkulose ansteckt. 

Was ist der Hintergrund dazu, dass nicht ausreichend Behandlungen durchgeführt werden? 

Das hat verschiedene Gründe. Einmal ist es so, dass der Zugang zur Gesundheitsversorgung, zum Beispiel in den Dörfern, fehlt. Wo ist der nächste Gesundheitsposten? Wo kann man zum Beispiel die nötigen Labortests machen? Für die Tuberkulose muss man ja Auswurf untersuchen. Ein klassisches Beispiel ist im Sommer, in der Monsunzeit, wenn es also regnet, wenn es Überschwemmungen gibt, dass dann in bestimmten Dörfern entschieden wird, solange das Wasser nicht weg ist, können wir nicht in die Stadt zum Arzt fahren. Hinzu kommt, dass viele Menschen Prioritäten setzen müssen: Wofür gebe ich mein Geld aus? Und es ist natürlich klar in einer Familie, dass die Versorgung mit Lebensmitteln das allerwichtigste ist, jeder muss was essen.  

Foto: Bernd Hartung

Da sieht man eben, dass Armut und Tuberkulose eine sehr unheilvolle Wechselbeziehung miteinander eingehen. Es gibt aber ja noch mehr tückische Herausforderungen im Umfeld der Tuberkulose, ein Begriff ist das Stichwort Medikamentenresistenzen. Was steckt dahinter? 

Ja, es ist leider so, dass Tuberkulose nicht isoliert vorkommt. Sondern die Tuberkulose hat so klassische Verbindungen, einmal zu anderen Krankheiten und dann natürlich die Frage der Antibiotikaresistenzen. Vielleicht zuerst zu den anderen Krankheiten. Es sind vor allem zwei, die im Zusammenhang mit Tuberkulose eine große Rolle spielen: Diabetes und HIV. Jemand, der zuckerkrank und/oder HIV-positiv ist, hat ein wesentlich höheres Risiko, an Tuberkulose zu erkranken, weil die Abwehr des Körpers geschwächt ist und damit der Tuberkuloseerreger aktiv werden kann. Das bringt uns zu dem anderen Thema. Man hört ja heutzutage überall, es ist ein Problem weltweit, dass es bei den Infektionskrankheiten immer mehr Resistenzen gegen viele Antibiotika gibt. Das ist bei manchen Krankheiten kein großes Problem, weil es eben noch viele andere Antibiotika auf dem Markt gibt. Bei Tuberkulose ist das ein echtes Problem, weil es sowieso nur sehr wenige Antibiotika gibt, die überhaupt gegen den Tuberkuloseerreger wirken. Derzeit gibt es rund 15.000 Fälle im Land, die sich so eine multiresistente Tuberkulose holen. 

5 Fakten zu Tuberkulose

➤ Tuberkulose ist eine ansteckende Lungenerkrankung, die durch Bakterien verursacht wird.

➤ Weltweit erkranken jährlich etwa neun Millionen Menschen, 1,5 Millionen versterben daran.

➤ In Deutschland ist die Erkrankung mit etwa 4.200 gemeldeten Fällen (2020) eher selten.

➤ Unbehandelt führt die Erkrankung in sieben von zehn Fällen zum Tod.

➤ Durch Antibiotika ist die Erkrankung aber gut therapierbar, vorausgesetzt, die Medikamente werden zuverlässig eingenommen.

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