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Brustkrebs war bei mir vorprogrammiert

Foto: Privat

Ich bin Jana Momeni, heute 52 Jahre jung und glückliche Mutter zweier Töchter im Alter von 18 und 20 Jahren. 2017 erhielt ich die Diagnose Brustkrebs, aber irgendwie stand für mich seit meiner frühen Jugend fest, dass ich an Brustkrebs erkranken werde – die Frage war nur: Wann?

Jana

Brustkrebs • BRCA2 • Mastectomy 48/2018 #Hamburg #LebensHeldin! #CancerUnites

Meine Mutter ist mit nur 44 Jahren viel zu jung an den Folgen ihrer Brustkrebserkrankung verstorben.

Ein langer Leidensweg, auf dem ich sie als junges Mädchen begleitete. Die Bilder des Leidensdrucks durch die Erkrankung haben sich in mein Gedächtnis gebrannt: Meine Mama, wie sie nach der Chemotherapie kreidebleich nach Hause kam. Ihre dunklen, schönen Haare, die ihr plötzlich ausgefallen sind, die Müdigkeit und Erschöpfung in ihrem Blick – ihre Scham, als Frau nicht mehr vollwertig zu sein –, dieser schmerzliche Verlust war mein ganzes Leben lang präsent. Aber er ist auch geprägt von Bewunderung. Wie tapfer und stark hat meine Mutter ihr Schicksal angenommen und bis zuletzt Glaube und Hoffnung gehabt. Aus heutiger Sicht ist der Verlust, meine Mama so früh verloren zu haben, unendlich schmerzvoller als der meiner beiden Brüste.

Ich bin Trägerin des BRCA2-Gens.

Meine Schwester hat mich 2007 überredet, einen DNA-Test zu machen. Wenn in Familien Frauen sehr jung oder über Generationen hinweg auffälig häufig an Brustkrebs erkranken, ist die Wahrscheinlichkeit der Vererbbarkeit des BReast-CAncer-Gens 1 oder 2 sehr groß. Das negative Ergebnis meiner Schwester hat mich aufatmen lassen. „Irgendwie ist es immer einfacher, mit dem eigenen Leid umzugehen als mit dem eines anderen – vor allem, wenn es eine Person ist, die man liebt.“ Für mich hieß der positive Test, dass ich ein bis zu 70 Prozent erhöhtes Risiko in mir trage, an Brust- oder Eierstockkrebs zu erkranken. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen in der Tumorrisikosprechstunde standen nun für mich mit einer halbjährlichen Mammo- und Sonografie und einem jährlichen MRT über Jahre hinweg auf dem Programm. Der Aufwand und nicht zu vergessen die seelische Belastung während meiner Anreise von Hamburg nach Kiel waren jedes Mal sehr hoch. 

Zehn Jahre später aber sollte sich alles auszahlen.

Ich verließ die Klinik mit der Erkenntnis, dass diesmal noch eine Biopsie an der rechten Brust notwendig war. Das Ergebnis erforderte eine zusätzliche Operation unter Vollnarkose, um den Erkrankungsgrad und -herd besser eingrenzen zu können. Als der Arzt mir die Diagnose Brustkrebs telefonisch mitteilte, hat mir das komplett den Boden unter den Füßen weggezogen. Doch schnell war klar: Ich möchte intensiv leben statt intensiv leiden! Nach der Diagnose Mammakarzinom wurde mir eine brusterhaltende Operation mit anschließender Bestrahlung empfohlen. Doch nur das Segment mit den verdächtigen Zellen aus der rechten Brust operieren zu lassen, war keine Option für mich – sehr klug, wie sich im Nachhinein herausstellte, denn weitere Tumorherde wurden in der Pathologie gefunden, die unter dem MRT nicht sichtbar waren. Meine Entscheidung, mich von beiden Brüsten und meinen Eierstöcken zu trennen, habe ich klar und ohne überlegen zu müssen, getroffen. Zu diesem Zeitpunkt war ich 48 Jahre. Mitten im Leben stehend bin ich von heute auf Morgen in die Wechseljahre gefallen. 

Ein Brustaufbau kam für mich nie infrage.

Zu präsent hatte ich noch immer das Leid meiner Mama vor Augen – die vielen Operationen, nicht heilende Haut, klägliche Versuche für künstlichen Ersatz. Die ersten Worte, die meine Tochter nach der OP für mich fand, waren: „Mama, deine Narben sehen aus wie ein Schmetterling.“ Bis ich mich traute, die Narben an meinem Oberkörper anzufassen, dauerte es – auch weil das Taubheitsgefühl nur langsam schwand. Im Schlafzimmer stellte ich mich dann immer wieder bewusst vor den Spiegel. Es sollte mir helfen, mich an den veränderten Anblick meines Körpers zu gewöhnen. Mit der Zeit schaffte ich es, meine Narben zu berühren – für mich ein sehr wichtiger Schritt. Die Hand auf die Stelle meiner Brust zu legen, war für mich auch eine Geste, die zeigt: Ich mag mich so, wie ich bin – dankbar, erleichtert und gesund. 

Gerade als Mutter von zwei Mädchen möchte ich vorbildhaft zeigen, wie es ist, als brustamputierte Frau genauso lebenswert und glücklich weiterzuleben.

Leben! Ja, das will ich! Noch sehr lange und vor allem möchte ich meine Kinder begleiten in ihr Erwachsenenleben. Ich kann nicht einfach die Augen vor dem erhöhten Risiko einer Erkrankung in unserer Familie verschließen. Vielmehr möchte ich alles dafür tun, Ängste und Sorgen zu nehmen und informiert zu sein über die neuesten Erkenntnisse, um jederzeit eine bestmögliche Vorsorge für meine Töchter zu erhalten. Wachsam und achtsam sein und dem Krebs immer einen Schritt voraus.
Ich gebe der Krankheit ein Gesicht und Hoffnung und appelliere an die nötige Vorsorge und regelmäßiges Abtasten der Brust. Denn nur durch Früherkennung kann Brustkrebs heilbar sein, und das liegt ganz allein bei uns selbst. Frauen sind Partnerinnen, Mütter, Töchter, Schwestern, Freundinnen und jede Einzelne ist eine zu viel, um deren Verlust wir lebenslang weinen. 

Hilfe bei Brustkrebs
Die Diagnose Brustkrebs erhalten pro Jahr ca. 70.000 Frauen in Deutschland. Die gute Nachricht: Bei Therapiebeginn in einem frühen Stadium sind die Heilungschancen sehr gut. Um so wichtiger ist das frühe Erkennen der Erkrankung. Zur Aufklärung von Frauen bietet Pink Ribbon Deutschland deshalb seit 2021 die mehrsprachige breastcare App an, die kostenfrei in den App-Stores von Apple und Google zum Download zur Verfügung steht. Sie beantwortet wissenschaftsbasiert und leicht verständlich die gängigsten Fragen rund um die Themen Brustkrebs, Früherkennung und gesunder Lebensstil. Wie taste ich meine Brust selbst ab? Wann ist der richtige Zeitpunkt hierfür? Was kann ich tun, um mein Erkrankungsrisiko zu senken? Neben einem Zykluskalender, der an das Abtasten der Brust erinnert, bietet die App Verlinkungen zu Hilfsangeboten und Fachstellen. Zudem erzählen viele Frauen ihre persönlichen Geschichten, die Mut machen und sensibilisieren sollen. Wir finden: ein tolles Angebot! breastcare.app

Deutschland ist die gemeinnützige bundesweite Kampagne, die sich seit über zehn Jahren um das Thema Brustkrebs und die wichtige Früherkennung der Krankheit in Deutschland kümmert.

pinkribbon-deutschland.de

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Der Kampf gegen Krebs- Prävention und Therapie

Krebs ist die Krankheit, vor der sich die deutsche Bevölkerung mit am meisten fürchtet.

Rund eine halbe Million Menschen erkranken hierzulande jährlich neu an einem Tumor, Tendenz steigend. Hoffnung besteht aufgrund von Fortschritten in der Forschung und Medizin, die die Heilungschancen von Krebspatienten weiter erhöhen. Experten gehen zudem davon aus, dass durch einen gesunden Lebensstil etwa die Hälfte aller Krebsfälle vermieden werden kann.

Als den „König aller Krankheiten“ betitele der indische Krebsforscher Siddhartha Mukherjee Krebs in seinem berühmt gewordenen gleichnamigem Buch. In der Tat nimmt Krebs eine Schlüsselstellung unter den Krankheiten ein: Jährlich werden in Deutschland rund 500.000 neue Krebsfälle diagnostiziert. Krebs ist hierzulande die zweithäufigste Todesursache und zudem die Krankheit, die bei den Deutschen neben Demenz die größten Ängste auslöst.

Die Ursachen, warum ein Mensch an Krebs erkrankt, sind komplex. Für viele Tumore sind zufällige genetische Fehler bei der Zellteilung verantwortlich, die mit steigendem Alter zunehmen. Aufgrund des demographischen Wandels wächst in Deutschland der Anteil älterer Menschen stetig. Das Robert Koch-Institut rechnet daher im Zeitraum zwischen 2010 und 2030 mit einem Anstieg der Krebsneuerkrankungen um 20 Prozent.

Dennoch kann jeder sein persönliches Krebsrisiko durch einige einfache Maßnahmen bis zu einem gewissen Grad positiv beeinflussen. Dies gilt insbesondere für häufige Krebsarten wie Brust-, Darm-, Lungen- und Hautkrebs. Ausreichend Bewegung und ein normales Körpergewicht reduzieren das Krebsrisiko nachweislich. Gleiches gilt für Nichtrauchen sowie einen vernünftigen Umgang mit Alkohol und UV-Strahlung.

Unterstützt wird die Deutsche Krebshilfe aktuell bei ihrer Aufklärung zur Hautkrebsprävention durch die TV-Moderatorin und Journalistin Susanne Klehn. Diese erkrankte mit 28 Jahren an einem malignen Melanom, dem sogenannten schwarzen Hautkrebs. Seit April setzt sie sich an der Seite der Deutschen Krebshilfe für ein umsichtiges Verhalten in der Sonne ein.

Wir wissen, dass der Bedarf nach Information und Aufklärung zum Thema Krebs in der Bevölkerung nach wie vor immens hoch ist. Daher sind Kampagnen sinnvoll, die über den Nutzen eines gesunden Lebensstils und die Möglichkeiten der Krebsfrüherkennung aufklären.

Steigende Krebsneuerkrankungszahlen in einer alternden Gesellschaft dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass in den letzten Jahrzehnten auch erhebliche Erfolge in der Diagnose und Therapie erreicht wurden. Fortschritte in der Krebsforschung und -medizin sind die Grundlage dafür, dass Krebspatienten immer besser versorgt werden können. Die Heilungsraten steigen und Krebs verläuft heute in sehr vielen Fällen als chronische Erkrankung mit guter Lebensqualität für die Betroffenen.

Heute können vier von fünf krebskranken Kindern und die Hälfte aller erwachsenen Krebspatienten geheilt werden und wieder ein unbeschwertes Leben führen. Dennoch bleiben die Herausforderungen immens. So gilt es beispielsweise die Qualität in der Versorgung und die Strukturen weiter zu verbessern und jedem Patienten eine optimale und personalisierte Therapie zu ermöglichen.

Wir wollen, dass alle krebskranken Menschen gute Heilungschancen haben. Auf dieses Ziel ist unsere Arbeit stetig ausgerichtet. Ohne die Zuwendungen der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, die seit über 40 Jahren die Deutsche Krebshilfe unterstützen, wären viele der bisherigen Erfolge in der Krebsmedizin und Forschung nicht möglich gewesen. Nur unsere Spender haben uns in die Lage versetzt, über 3.000 Projekte zur Verbesserung der Versorgung krebskranker Menschen zu fördern.

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