Prof. Dr. med. Alexander Karl, leitender Oberarzt der Urologischen Klinik und Direktor der Blasentumorklinik an der LMU in München, erläutert: „Beim Harnblasenkarzinom, das in der westlichen Welt am häufigsten als sogenanntes Urothelkarzinom (Anmerkung der Redaktion: Die Tumore gehen von der Schleimhaut der ableitenden Harnwege aus) auftritt, handelt es sich um die neunthäufigste Tumorentität weltweit.

Die Geschlechterverteilung ist hierbei deutlich zu ungunsten der Männer verteilt – mit einem circa dreifach erhöhten Risiko aufseiten der Männer. Eine mögliche Erklärung für diese Beobachtung liegt in einem höheren Nikotinkonsum und stärkerer beruflicher Exposition mit entsprechenden Gefahrstoffen bei Männern. Das Urothelkarzinom stellt nach Angaben des Robert Koch-Institutes den vierthäufigsten Tumor beim Mann und den zehnthäufigsten Tumor bei der Frau in Deutschland dar.“

Alternativen zur kompletten Entfernung der Blase

Eine Untersuchung mit Ultraschall oder Computertomografie kann helfen, den Verdacht auf das Vorliegen eines Harnblasentumors zu erhärten, aber nur mit einer Blasenspiegelung kann eine genauere Diagnose gestellt werden. Wurde ein Blasentumor festgestellt, führt man in der Regel eine Operation unter Narkose durch, um den Tumor zu entfernen.

Mit jährlich knapp 15.850 Neuerkrankungen in Deutschland ist Harnblasenkrebs eine der häufigeren Krebsarten.

Der Tumor wird dann mittels einer über die Harnröhre eingeführten Drahtschlinge abgetragen. Dies nennt der Urologe eine transurethrale Resektion der Blase (TUR-Blase). Die weitere Behandlung richtet sich dann nach der Art des Tumors, der Ausdehnung des Befalls und der Eindringtiefe in die Blasenwand. In Fällen von ausgeprägtem Blasenkrebs wird in der Regel zur kompletten Entfernung der Harnblase (radikale Zystektomie) geraten, in leichteren Fällen genügt eine wiederholte Behandlung mittels TUR-Blase.

Unter Umständen muss eine TUR-Blase mehrmals über Jahre hinweg durchgeführt werden, da Blasenkrebs häufig wieder an gleicher Stelle oder an einer anderen Lokalisation der Harnblase auftreten kann. Um zu verhindern, dass der Krebs schnell zurückkommt, führen Experten zusätzlich zur TUR-Blase eine lokale Therapie durch, bei der Medikamente direkt in die Blase gegeben werden: entweder das Immuntherapeutikum BCG (bekannt als Impfstoff gegen Tuberkulose) oder das Chemotherapeutikum Mitomycin.

Durchschnittliches Erkrankungsalter bei Männern 74 Jahre ,bei Frauen 77 Jahre

Kommt der Krebs dennoch wieder, kommt vielleicht eine neue Therapieform ins Spiel: Für Patienten mit nicht muskelinvasivem Harnblasenkarzinom (das heißt, die Tumorzellen sind noch nicht in die Muskulatur der Blasenwand eingewachsen), die aufgrund ihres Alters, einer Wirkstoffimmunität beziehungsweise -unverträglichkeit BCG nicht vertragen oder aufgrund klinischer Komplikationen keine radikale Operation erhalten können oder diese ablehnen, bietet die sogenannte HIVEC-Therapie (Hyperthermische Intra-VEsikale Chemotherapie) einen neuen Ansatz.

Die Idee der Hyperthermie

Bei der Hyperthermie wird durch Temperaturerhöhung des in die tumortragende Körperregion eingeführten chemotherapeutischen Wirkstoffs Mitomycin auf 43 Grad Celsius eine Tumorzellzerstörung initialisiert. Prof. Dr. Vögeli, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie der Uniklinik RWTH Aachen, erklärt: „Diese klassische Form der Hyperthermie ist durch die Aufheizung der Chemotherapeutika in der Blase über Mikrowellensender oft mit einer relativ hohen Rate an Nebenwirkungen verbunden. Mit dem HIVEC-Verfahren wird Mitomycin außerhalb des Körpers erwärmt und dann durch einen Katheter direkt in die Harnblase eingebracht.“

Das erwärmte Mitomycin zirkuliert so zwischen Gerät und Harnblase und kann sich damit optimal verteilen. Die hohe Temperatur sorgt für eine gute Tiefenwirkung, erhöht die Reaktionsfähigkeit der Substanz und verringert Nebenwirkungen im Vergleich zur mikrowelleninduzierten Hyperthermie. Wird sich die neue Variante durchsetzen? „Die großen, internationalen Studien werden im Laufe dieses Jahres erst abgeschlossen sein – aber von dem ausgehend, was einzelne Zentren in Deutschland beobachten können, ist die Erfolgsrate auch bei Hochrisikopatienten vielversprechend“, so Professor Vögeli.