Was diese besondere Dienstleistung ausmacht, erklärt Jens Törper, Vorstand der Health AG, eine auf Factoring spezialisierte Finanzdienstleisterin mit Sitz in Hamburg.

Herr Törper, wie passen Factoring und Zahnarztpraxis zusammen?

Eine überaus berechtigte Frage, da diese zwei völlig verschiedene Welten darstellen. Das eine ist die Welt der Medizin, gekennzeichnet durch ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient. Das andere, das Factoring, ist die Welt der Wirtschaft. Das ist eine Annäherung, die man nach wie vor sehr vorsichtig betreiben muss.

Warum?

Wir kommen ja traditionell aus einem völlig anderen Rollenverständnis – Arzt, Patient. Der Arzt ist der Ratgeber und derjenige, der dem Patienten sagt, was er machen muss. Das Rollenverständnis hat sich aber in den vergangenen Jahren sehr verändert.

Inwiefern?

Ärzte bieten individuelle Gesundheitsleistungen an, die von der Krankenkasse nicht übernommen werden. Der Patient wird so zum Kunden und dementsprechend auch umworben. Patienten holen sich Kostenvoranschläge und vergleichen die Preise. Es wird über Geld gesprochen, und dadurch ist auch der Raum geschaffen, bestimmte Funktionen aus der Zahnarztpraxis auszulagern.

Warum haben Zahnärzte einen wachsenden Bedarf an Unterstützung?

Der Zahnarzt von heute muss ein Multitalent sein. Er soll die Praxis managen, sie betriebswirtschaftlich führen, sein Team leiten, für die Patienten da sein, sie gegenüber ihren Versicherungen unterstützen und so ganz nebenbei soll der Zahnarzt auch noch behandeln – stets natürlich auf dem neuesten Stand der medizinisch-technischen Entwicklungen. Diese Anforderungen führen zu einem steigenden Bedarf an Unterstützung wie Factoring.

Aus welchen Bestandteilen besteht das Produkt Factoring?

Factoring besteht aus drei Modulen, welche dem Zahnarzt Zeit, Geld und Nerven sparen:

Entlastung der Administration:

Wir als Factoringpartner übernehmen alle Phasen der Rechnungsverwaltung. Dazu gehört die gebührenkonforme Abrechnung, Druck, Kuvertierung und Versand der Rechnung, die Überwachung der Zahlungseingänge, das Erstellen von Ratenplänen und fachkundige Beantwortung von Patientenanfragen zu Raten und Rechnungen.

Schnelle Liquidität:

Da wir bei Factoring die Honorarrechnungen des Zahnarztes ankaufen, kann er selbst bestimmen, wann er sein Geld nun von uns erhält und muss nicht warten, wann der Patient zahlt. Das Zahlungsverhalten von Patienten ist sehr unterschiedlich. Es gibt pünktliche Zahler und es gibt schleppende Zahler, da muss man bis zu sechs Wochen warten. Das ist bei der Vielzahl von Privatbehandlungen ein wirkliches Debitorenrisiko für die Zahnarztpraxis. Wenn uns heute eine Rechnung übermittelt wird, kann er bereits morgen sein Honorar erhalten.

Risikominimierung:

Insofern der Factoringpartner die Honorarrechnung der Zahnarztpraxis ankauft, erhält der Zahnarzt sein Honorar sogar dann, wenn der Patient gar nicht zahlt.

Welche Kosten entstehen dem Zahnarzt durch die Entlastung?

Der Branchendurchschnittswert liegt bei etwa drei bis dreieinhalb Prozent vom Rechnungswert.

Gibt es auch Hilfeleistungen außerhalb des Factorings?

Als Factoringpartner spüren wir den zunehmenden Bedarf nach betriebswirtschaftlicher Beratung und erfüllen ihn. Unternehmerisch geführte Praxen müssen sich mit ihren Quartalszahlen beschäftigen wie andere Unternehmer auch. Bei Praxisneugründern sind beispielsweise Standortanalysen interessant, sich mit dem Wettbewerb zu vergleichen, ergibt bei expandierenden Praxen Sinn.

Profitieren Patienten auch vom Factoring?

Zuerst muss sich der Patient mit dem Factoringverfahren, aus Gründen des Datenschutzes und der ärztlichen Schweigepflicht, schriftlich einverstanden erklären. Erst dann geht die Rechnung an uns und wir machen die Rechnung bei dem Patienten geltend. Hier können wir auch eine zinsfreie Ratenzahlung anbieten. Das ist für viele Patienten ein großer Vorteil, denn eine aufwändige Privatbehandlung kann mehrere Tausend Euro kosten. Bei Patienten mit einer Privat- oder Zahnzusatzversicherung wird die von uns angekaufte Rechnung auch gegenüber der Versicherung vertreten. Wenn eine Versicherung die Kosten also nicht übernehmen will, kann der Patient von uns Hilfe bekommen.

Also ist Factoring auch eine Serviceleistung für den Patienten?

Ganz genau. Und immer mehr Patienten, die sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben, wählen genau aus diesen oben genannten Gründen gezielt Zahnarztpraxen aus, die Factoring anbieten.