Unbehandelt kann er zu mittelgradigen und schweren Depressionen führen. „Doch ein Burn-out verläuft in spezifischen Phasen – und hier liegt die Chance zu erfolgreicher Bekämpfung und Heilung“, so Hüge.

Warnsignale, die ein sich entwickelndes Burn-out begleiten, sind unter anderem:

Burnout: Fehlende Regeneration

Betroffene können nur schwer „abschalten“ oder sind so erschöpft, dass Wochenenden und Ferien nicht ausreichen, um neue Kraft zu schöpfen.

Meidung sozialer Kontakte

Werden Kontakte zunehmend als anstrengend, überfordernd empfunden und vermehrt gemieden, ist das ein deutliches Warnsignal.

Erhöhte Reizbarkeit

Hüge: „Je überforderter ein Mensch ist, desto weniger Gelassenheit und Geduld kann er aufbringen.“ Bereits Kleinigkeiten können Burn-out-Gefährdete objektiv überproportional reizen.

„Am sinnvollsten ist gezielte Prävention“, betont Hüge, „Burn-out ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die unsere Gesellschaft teuer zu stehen kommt.“

Je frühzeitiger eine Intervention beginnt, desto schneller und wirkungsvoller kann eine Burn-out-Erkrankung ausgebremst werden. Anlaufstellen sind Ärzte, Therapeuten, Fachverbände und spezialisierte Coaches.

Angehörige können helfen, indem sie Arztbesuche unterstützen und begleiten, Druck vermeiden – und sich mit gut gemeinten Ratschlägen zurückhalten.

„Es ist wichtig, dass Angehörige ihre eigenen Grenzen und Bedürfnisse achten“, sagt Hüge. Denn helfen kann nur, wer selbst stark ist.

Wie lebt es sich mit Burnout? Eine Betroffene berichtet!

Seit ich 20 bin, kämpfe ich mit Depressionen. Nach außen wirkte ich sicher, im Inneren jedoch fürchtete ich mich vor Versagen und Ablehnung: Nach (exzellentem) Abschluss meines Grafikstudiums traute ich mich nicht, mich zu bewerben. Weil der Inhaber mich ansprach, kam ich in einer kleinen, fast bankrotten Werbeagentur unter – als Praktikantin.

Lerneifer, Ausdauer, Kreativität und ein Hang zum Perfektionismus sind Wesenszüge, die mich rasch vorwärts brachten. Mein Chef war selig, nannte mich einen Sechser im Lotto, Wunderwaffe, sein „Rennpferdchen“ – und setzte mich für Projekte ein, die heikel, hochkreativ, komplex und eilig waren. Die Aufträge stapelten sich, ich arbeitete alle ab, pünktlich. Einige Kollegen fühlten sich durch mein Tempo und die Sonderstellung beim Chef bedroht.

Ich selbst hatte die Latte hochgelegt und hatte das Gefühl, den so entstandenen Ansprüchen gerecht werden zu müssen. Auch der Chef forderte ein, woran er sich gewöhnt hatte. Oft saß ich bis spät in die Nacht alleine in der Agentur, arbeitete teilweise 60 Stunden die Woche – für kleines Geld, Überstunden wurden nicht ausgezahlt. Meine Ambitionen waren nie auf Karriere oder eigenen Erfolg ausgerichtet. Es ging nur darum, nicht zu versagen.

Ich wurde reizbar, ungeduldig, unnahbar, war immer öfter krank. Die Depressionen wurden schlimmer. Herzschmerzen, Ohrensausen, Albträume oder Zähneknirschen hielt ich für meine privaten Schwächen. Soziale Kontakte ertrug ich nicht mehr, die Arbeit erschien mir wie ein Stützkorsett, das mich davon abhielt auseinanderzufallen.

Als mein Chef eine Präsentation, die ich bis zwei Uhr nachts vorbereitet hatte, kritisierte, verfiel ich plötzlich in Panik. Beim Kunden brach ich zusammen. Ich war vollkommen ausgebrannt. Nichts ging mehr.

Drei Jahre, zwei Klinikaufenthalte, eine Kündigung und zwei Therapien brauchte ich, um zu mir zu finden. Nach langer Pause arbeite ich mittlerweile frei und habe gelernt, gut auf mich aufzupassen. Selbst wenn ich dadurch mal anecke.